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Schloss Raesfeld: Wie es nach der Millionenförderung weitergeht

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Sieben Millionen Euro Fördergeld sind zugesagt. Doch wann beginnen die Bauarbeiten an der Vorburg von Schloss Raesfeld? Und wie geht der Unterricht in der Akademie des Handwerks während der Sanierung weiter? Bei der Übergabe des Förderbescheids am Mittwoch (21. Oktober) erläuterten die Verantwortlichen die nächsten Schritte und erklärten, warum der Kostenrahmen von 9,5 Millionen Euro eine Herausforderung bleibt.

Projektsteuerer soll die Sanierung begleiten

Mit der Übergabe des Förderbescheids beginnt für die Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld die nächste Phase. Bevor die Bauarbeiten starten, muss die Akademie weitere Planungen vorbereiten, Aufträge ausschreiben und Fachleute beauftragen. „Wir werden einen Projektsteuerer einschalten, der uns einen Teil der Bauherrenfunktion auch abnimmt“, erklärte Berthold Schröder, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages.

Die Akademie erwirtschafte derzeit einen Jahresumsatz von rund drei Millionen Euro. Ein Bauprojekt dieser Größenordnung könne sie nicht allein steuern. Deshalb solle ein externer Projektsteuerer einen Teil der Aufgaben übernehmen. Auch Fachanwälte sollen die Akademie begleiten und darauf achten, dass die Ausschreibungen sämtliche Anforderungen des Vergaberechts erfüllen. Zudem müsse die Akademie noch ein Architekturbüro mit der Ausführungsplanung beauftragen.

Die bisherigen Planungen hätten bereits ausgereicht, um die Kosten zu ermitteln. Diese Berechnung bilde die Grundlage für den Förderbescheid.

Fertigstellung bis spätestens 2031 geplant

Ein Ziel haben sich die Verantwortlichen bereits gesetzt: Spätestens 2031 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Schröder bezeichnete diesen Zeitplan als ambitioniert, aber notwendig. Denn jedes zusätzliche Baujahr könne das Vorhaben verteuern. Die jährlichen Baupreissteigerungen bezifferte er derzeit auf rund 3,5 bis 3,8 Prozent. „Wir haben 9,5 Millionen und nur 9,5 Millionen können wir auch einsetzen.“

Die Beteiligten wollten den vereinbarten Kostenrahmen nicht überschreiten. Deshalb müsse sich die gesamte Planung an den verfügbaren Mitteln orientieren. Schröder sprach dabei von „Design to Budget“. Das bedeute, dass die Verantwortlichen während der Planung immer wieder prüfen müssten, welche Maßnahmen sie sich innerhalb des festgelegten Budgets leisten könnten. Falls nötig, müssten sie einzelne Vorhaben anpassen.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach bei der Übergabe des Förderbescheids über sieben Millionen Euro für Schloss Raesfeld.
Sieben Millionen Euro für Schloss Raesfeld: Berthold Schröder erklärt, wie die Sanierung der Vorburg bis 2031 umgesetzt werden soll.

Was wird in der Vorburg konkret saniert?

Die Akademie will die gesamte Vorburg sanieren und die Räume an ihre künftigen Anforderungen anpassen. Dabei geht es nicht allein um den Erhalt der historischen Bausubstanz, sondern auch um zusätzliche Möglichkeiten für die handwerkliche Ausbildung.

Die Verantwortlichen wollen die Raumaufteilung verändern, weitere Werkstattflächen schaffen und zusätzliche Räume für Schulungen gewinnen. Besonders im ersten Obergeschoss müssten die Planer die Grundrisse anpassen. Hinzu komme die Beseitigung bereits festgestellter statischer Mängel.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sichtbarkeit des Handwerks. Künftig sollen Besucher durch die großen Fensteröffnungen beobachten können, wie die Handwerker in den Werkstätten arbeiten. Schröder nannte als Beispiele das Malerhandwerk und das Stuckateurhandwerk. Auch offene Werkstatttüren sollen Besuchern Einblicke in die praktische Ausbildung ermöglichen.

Davon verspreche sich die Akademie zugleich einen Mehrwert für die Gemeinde Raesfeld. Wer das Schloss besucht, könne künftig unmittelbar erleben, welche handwerklichen Tätigkeiten die Akademie dort vermittelt.

Akademie des Handwerks-Abteilung Schreinerei
Akademie des Handwerks-Abteilung Schreinerei. Foto: Petra Bosse (Archiv)

Sanierung in drei oder vier Bauabschnitten

Eine vollständige Schließung der Akademie während der Bauarbeiten ist nicht vorgesehen. Stattdessen wollen die Verantwortlichen die Sanierung in mehrere Abschnitte aufteilen. „Also wir werden nicht in einem Schlag das ganze Gebäude durchsanieren, sondern es werden voraussichtlich drei oder vier Bauabschnitte gebildet, die dann Stück für Stück abgearbeitet werden.“

Während die Bauarbeiter einen Gebäudeteil sanieren, sollen die betroffenen Handwerker vorübergehend in andere Räume umziehen. Dafür könne die Akademie weitere Gebäude und inzwischen hinzugewonnene Flächen nutzen. Auch die Lehrgangsplanung könne sie an den jeweiligen Baufortschritt anpassen. So wolle die Akademie den Unterricht während der Sanierung möglichst ohne größere Unterbrechungen fortführen.

Akademie des Handwerks Raesfeld
Foto Petra Bosse (Archiv)

Sieben Handwerkskammern unterstützen den Akademiebetrieb

Neben der einmaligen Förderung für die Sanierung spielt die dauerhafte Finanzierung der Akademie eine wichtige Rolle. Bürgermeister Dirk Kuhmann verwies auf die Unterstützung durch die sieben Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen. Diese beteiligten sich nach seinen Angaben jährlich mit rund 300.000 Euro am laufenden Betrieb. „Mit Bildung können Sie kein Geld verdienen“, sagte Kuhmann.

Die solidarische Finanzierung sei eine wesentliche Voraussetzung für die Arbeit der Akademie. Die Handwerkskammern sähen es als gemeinsame Aufgabe an, traditionelles handwerkliches Wissen zu bewahren und weiterzugeben. Dazu gehöre insbesondere der fachgerechte Umgang mit historischen Gebäuden und alten Bautechniken. Dieses Wissen solle auch künftigen Generationen von Handwerkern zur Verfügung stehen.

Schröder erinnert an langen Weg seit 2018

Berthold Schröder erinnerte daran, dass die Vorbereitungen für das Sanierungsprojekt bereits 2018 begonnen hätten. Bis zur Förderzusage seien mehrere Jahre vergangen. Die Verbindung zwischen dem historischen Schloss und der Akademie des Handwerks mache den Standort Raesfeld aus seiner Sicht bundesweit besonders. Hier vermittle die Akademie Kenntnisse, die für die Restaurierung historischer Gebäude und für verschiedene Bauberufe von Bedeutung seien. „Handwerk hat Zukunft und Handwerk braucht Zukunft“, betonte Schröder.

Zugleich appellierte er an die Beteiligten, bei der weiteren Umsetzung beweglich zu bleiben. Nicht jede Planung müsse bis ins letzte Detail feststehen, bevor die nächsten Schritte beginnen könnten. Gerade bei einem komplexen Vorhaben komme es darauf an, bei Schwierigkeiten auch andere Lösungswege zu finden.

Auch Bernd-Josef Wenning, Eigentümer der beiden Gebäude Vorburg und Remise, begrüßt die geplante Nutzung durch die Akademie des Handwerks. Damit bleiben beide Gebäude als historisches Ensemble erhalten und werden weiterhin mit Leben gefüllt. Die Remise sei bereits heute „ein schöner Ort, wo Menschen zusammenkommen“. Mit den neuen Plänen für die Vorburg werde dieser Gedanke fortgeführt.

Handwerk hat Zukunft und Handwerk braucht Zukunft

Berthold Schröder

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