Verabschiedung von Bürgermeister Martin Tesing im Gemeinschaftshaus Martinus – Ein Abend voller Erinnerungen und Überraschungen

Bevor es bei der Verabschiedungsfeier losging, stimmten sich die Gäste bei einem Sektempfang im Gemeinschaftshaus Martinus ein. Moderator Raimund Stroick eröffnete den Abend mit einem Augenzwinkern: „Martin, wenn du jetzt deine vorbereitete Rede rausholen möchtest, lass sie stecken.“

Mit seiner lockeren und humorvollen Art nahm Stroick der Veranstaltung sofort die Wehmut. Kein Wunder, denn Martin Tesing wusste bis zuletzt nicht, was ihn an diesem Abend erwarten würde. Das Verwaltungsteam hatte das Programm in aller Stille vorbereitet, um ihm einen persönlichen Abschied zu bereiten.
Freunde, Weggefährten, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Nachbarkommunen, Landrat Kai Zwicker, Familie, Ratsmitglieder und viele Mitarbeitende der Verwaltung waren gekommen, um Martin Tesing für seine Zeit im Amt zu danken.

„Liebe Bürgermeisterinnen, liebe Bürgermeister…“
„Liebe Bürgermeisterinnen, liebe Bürgermeister, die ja wirklich zahlreich heute erschienen sind“, begann Raimund Stroick. Er sprach von einem „kleinen Ritterschlag“ für Tesing und verwies auf 249 Ratsjahre, die an diesem Abend im Saal vertreten waren. „Das sind alles Ehrenämter. Ich finde das so stark“, sagte er und ergänzte: „Wo keine Reibung ist, ist keine Bewegung. Wichtig ist, dass man am Ende mit Respekt auseinandergeht.“
Dann wandte er sich direkt an Tesing: „Heute ist dein Tag, Martin. Du hast viele Tage gehabt, aber heute ist dein Tag.“

Überraschung über den vollen Saal
Das Gemeinschaftshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Tesing zeigte schon fast gerührt: „Ich bin total überrascht, wie viele Leute hier sind. Es hat kaum jemand abgesagt. Egal, wo ich hinschaue, links oder rechts, überall bekannte Gesichter. Ich freue mich auf einen schönen Abend.“
Stroick bat das Publikum augenzwinkernd: „Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass wir keine Tränen kriegen. Er hat das verdient.“ Dann fragte er: „Martin, was ging dir durch den Kopf, als du wusstest, dieser Tag kommt?“

Rückblick und Verantwortung
Tesing erzählte, er habe den letzten Arbeitstag damit verbracht, sein Büro aufzuräumen. „Mir ist eine Menge in die Hände gefallen. Da wurde mir bewusst, wie viele Projekte wir in den letzten Jahren gemacht haben.“
Auf die Frage, ob die Schuldenfreiheit Raesfelds eine Bürde sei, antwortete er: „Ich bin froh, dass wir es auch noch sind. Es wird aber immer schwieriger, das zu halten. Raesfeld ist wegen der Schuldenfreiheit und wegen des Schlosses bekannt. Die Wirtschaftlichkeit stand immer ganz oben.“

Teamgeist in Rat und Verwaltung
„Du bist Verwaltungschef, aber Politik ist auch Teamarbeit“, leitete Stroick über. Tesing stimmte zu: „Die Vorlagen müssen vorbereitet sein, da steckt viel Arbeit dahinter. Und der Rat hatte die Gemeinde im Blick. Das hat vieles leichter gemacht.“
Fußball, Gemeinschaft und Humor
Auf die Frage, wie er Raesfeld heute sehe, sagte Tesing: „Raesfeld ist extrem lebenswert. Früher war der Ort für uns beim Fußball in Weseke ein sicherer Punktelieferant. Das hat sich geändert. Heute spielen hier Eigengewächse mit großem Erfolg. In der ersten und zweiten Mannschaft gibt es eine tolle Gemeinschaft. Das hat zu diesem Höhenflug geführt.“ Stroick lachte: „Vielleicht kannst du in Weseke in deiner Rente noch ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten.“
Kai Zwicker über Nähe, Verlässlichkeit und die Dartscheibe
Landrat Kai Zwicker begrüßte die vielen Kolleginnen und Kollegen und freute sich über den niederländischen Gast Marc Baumans aus Doetinchem. Er sprach über die Stärke der kommunalen Zusammenarbeit: „Wir wohnen alle in den Dörfern, in den Städten, wir wohnen hier um die Ecke, wir leben in Nachbarschaften. Wir wollen, dass es uns gut geht.“

Er erinnerte an die Worte von Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster, den er kurz zuvor verabschiedet hatte. „Wenn man das vertikal in der Menschheitsgeschichte oder horizontal betrachtet, dann sind wir hier in Nordrhein-Westfalen, im Münsterland, im Westmünsterland in der Mitte der Dartscheibe. Wir haben die 100 Punkte getroffen.“

Zwicker sagte weiter: „Bei allen Problemen, und Martin hat recht, es wird enger, aber unterm Strich ist es dieser Gesellschaft selten so gut gegangen. Das zeigen die Rückblicke auf 50 Jahre Kreis Borken, 50 Jahre Raesfeld. Man sieht, wie sich das alles entwickelt hat. Dafür braucht es Verlässlichkeit, und das hat man in Raesfeld geschafft, über Parteigrenzen hinweg, mit der Fähigkeit, auch einmal gemeinsam ein Bier zu trinken.“
Er betonte den Wert des Ehrenamts: „Ich habe großen Respekt vor allen, die sich engagieren, und vor allen, die sich einem Wahlamt stellen. Der Ton wird rauer, aber wir brauchen dieses Engagement weiter. Meckern ist einfacher als machen. Darum danke ich allen, die anpacken.“

Verabschiedung scheidender Ratsmitglieder
Bevor die Ehrung der langjährigsten Ratsmitglieder begann, wurden zunächst die Ratsmitglieder verabschiedet, die ihre politische Tätigkeit beendet haben.
Bürgermeister Martin Tesing dankte Petra Nagel, Julia Horn, Nicole Ostendorf, Elke Rybarczyk, Dietmar von Berswordt, Ruppert Koller, Benedikt Limberg, Thomas Fortmann, Helmut Hellenkamp für ihr Engagement, ihre Zeit und ihre Beiträge zur Arbeit im Rat der Gemeinde Raesfeld.

Er unterstrich, dass jedes einzelne Ratsmitglied über Jahre Verantwortung übernommen und an Entscheidungen mitgewirkt habe, die Raesfeld geprägt hätten. „Kommunalpolitik lebt vom Mitmachen, und ihr habt das mit Überzeugung getan“, sagte Tesing.
Ehrung der Ratsmitglieder
Ein Höhepunkt des Abends war die Ehrung der langjährigen Ratsmitglieder.
Geehrt wurden Wilfried Theis für 26 Jahre, Bernhard Bölker für 36 Jahre, Hans Dieter Strohtmann für 40 Jahre und Karl Heinz Tünte für 50 Jahre.

Stroick sagte: „Wer so lange dabeibleibt, hat Generationen von Entscheidungen mitgestaltet.“ Er sprach vom Mix der Generationen: „Wie auf dem Fußballplatz. Die Erfahrenen verteilen am Mittelpunkt die Bälle, die Jungen rennen. Genau das braucht Politik.“
Persönliche Worte und Dank
Tesing würdigte jeden der Geehrten. Zu Karl Heinz Tünte sagte er: „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Du warst nicht nur 50 Jahre im Rat, sondern auch in vielen Vereinen in Verantwortung. Die Liste deiner Ämter würde den Abend sprengen. Die Ehrenbürgerwürde war eine der leichtesten Entscheidungen.“

Über Bernhard Bölker sagte Tesing: „Er gehört zu denen, die nicht laut auftreten müssen, um viel zu bewegen. Verlässlich und sachlich.“
Hans Dieter Strothmann dankte Tesing für 40 Jahre Ratsarbeit und seinen Einsatz in der Gemeindeverwaltungsgesellschaft: „Du warst immer ein verlässlicher Ansprechpartner mit dem Wohl der Gemeinde im Blick.“

Ein eigener Rückblick von Hans Dieter Strohtmann
Strothmann nahm das Mikrofon: „Die Situation ist da“, zitierte er Konrad Adenauer. Er dankte Udo Rößing, Andreas Grotendorst und Martin Tesing für die gute Zusammenarbeit. „Es war eine tolle Zeit, das wird mir fehlen.“
Er erzählte von rund 1500 Hausbesuchen bei Seniorinnen und Senioren, bei Ehejubiläen und in Vereinen. „Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt. Man fühlte sich willkommen. Ein Amt ist nicht nur ein Geben, man bekommt auch viel zurück.“ Natürlich habe es auch Ärger gegeben. „Wer in der Öffentlichkeit wirkt, muss damit rechnen, dass die Treffer gezählt werden“, zitierte er Kurt Tucholsky.

Projekte und Meilensteine
Ein Team aus der Gemeindeverwaltung hatte die vergangenen Jahre in Bildern und Stichpunkten zusammengefasst, eine visuelle Reise, die zeigte, was sich in Raesfeld unter Martin Tesings Leitung bewegt hatte.
Tesing selbst blickte dabei auf seine Stationen zurück: Vor 15 Jahren begann er in der Verwaltung als Kämmerer, später wurde er Erster Beigeordneter, 2020 dann Bürgermeister. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen zu Beginn seiner Amtszeit mit Pandemie, hohen Zuweisungen von Geflüchteten und dem Krieg in der Ukraine habe die Gemeinde ihren Weg konsequent fortgesetzt.
Zu den wichtigsten Meilensteinen zählten:
- 2013 Bestätigung der Schuldenfreiheit
- 2014 Start des Baugebiets Stockbredde
- 2015 Beginn der kostenlose Glasfaserverlegung
- 2016 weiterer Ausbau des Breitbandnetzes
- 2017 Wahl zum Ersten Beigeordneten der Gemeinde Raesfeld
- 2018 Glasfaserausbau im Außenbereich
- 2021 Kauf des Schlosses Raesfeld durch die Gemeinde – eine schwierige, aber nachhaltige Entscheidung
- 2020 Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde
- 2022 Erschließung des Gewerbegebiets Raesfeld
- 2023 Engagement der Korte Stiftung im Tiergarten und Eröffnung Bürgerpark
- 2024 Entscheidung für den Umbau für das Hauses der Vereine
- 2025 Eröffnung des Femeichenparks in Erle und des Gemeinschaftshauses Martinus
Zum Gewerbegebiet sagte Tesing: „Das war ein komfortables Problem. Die Flächen waren verkauft, bevor überhaupt erschlossen wurde.“ Und zum geplanten Rossmann Markt meinte er: „Der kommt wirklich.“
Abschied mit Applaus und einem Augenzwinkern
Als der letzte Applaus im Gemeinschaftshaus Martinus verklang, blieb das Gefühl, dass Martin Tesing in Raesfeld Spuren hinterlässt. Raimund Stroick fasste zusammen: „Das war à la Bonheur.“

Und weil zu einem gelungenen Abschied auch ein wenig Humor gehört, sorgte Stroick noch für einen besonderen Moment. Da Tesing, wie er augenzwinkernd verriet, immer ein wenig die Amtskette vermisst habe, bekam er am Ende eine eigene überreicht, nicht ganz so schwer wie die echte, aber mit viel Witz in Form eines Ordens. Übergeben wurde sie von Jörg Heselhaus im Namen der Verwaltung und mit einem Augenzwinkern.

Darüber hinaus gab es noch eine Überraschung von Andreas Grotendorst und Detlef Weber, der mit einem Augenzwinkern die langvermisste Raesfelder Fahne präsentierte. Seit Tesings Amtsantritt war sie wie von Zauberhand verschwunden. Das Rätsel wurde an diesem Abend gelöst, nur wer tatsächlich dahintersteckte, bleibt ungewiss. Darüber darf weiter spekuliert werden.

Bei Musik, Gesprächen und einem Glas Sekt endete der Abend mit Dankbarkeit, vielen Erinnerungen und dem sicheren Gefühl, dass Raesfeld gut aufgestellt bleibt.
Und was wäre eine Feier ohne Musik? Jana und Michael Kruse aus Raesfeld begleiteten den Abend stimmungsvoll, während Pastor Fabian Tilling am Keyboard für den passenden musikalischen Beistand sorgte, himmlisch gut und mit spürbar göttlichem Groove.



























