Wegen der  großen  Nachfrage nach der  Predigt von Seiten der Erler nach dem Gottesdienst, hat mir Pastor Barlage die Rechte zugesprochen, seine komplette Predigt auf dem Heimatreport zu veröffentlichen.

Foto Vorseite: Pastor Barlage mit Hanna Mense, Schwester, Nichten, Großnichten und Ehemänner.

Blumenstrauß für Hanna Mense, überreicht von Alfons Rößmann

Zum Downloaden steht Ihnen unten auf der Seite eine PDF-Datei zur Verfügung.

Predigt von Pastor em.  Franz-Josef Barlage anlässlich seines 50-jährigen Priesterjubiläums gehalten am Sonntag, 6. Februar  2011 in der St. Silvesterkirche in Erle.

Als ich im Februar 1961 am späten Samstagabend von meinem Onkel Heinrich Stuttmann zu meiner ersten Einsatzstelle in Beckum gefahren wurde (ein unerwarteter Anruf meines münsterschen Personalchefs hatte mich dorthin beordert), erging es mir  ähnlich, wie dem Apostel Paulus, der in der heutigen Lesung berichtet, dass er in Schwäche und Furcht zu den Menschen in Korinth gekommen war.

Ein wenig bange Erwartung beschlich mich, als ich damals in der Dunkelheit dem Ziele in Beckum St. Martin immer näher kam. Dort in Beckum zeigte mir die Haushälterin des kranken Pastors das Innere der Kirche. Morgen am Sonntag hätte ich zwei Messen zu halten, vor jeder Messe müsste ich eine halbe Stunde Beichtgelegenheit im Beichtstuhl geben:   Beichtstuhl? Noch nie hatte ich Beichte gehört.  Predigen brauchte ich nicht, das täte ein geistlicher Studienrat, der eine von den drei Sonntagsmessen halten würde. Nach der letzten Messe müsse ich noch ein Kind taufen, dann am Nachmittag um 14 Uhr sei Christenlehre für die Schülerinnen und Schüler, danach um 19:30 Uhr die Andacht mit eucharistischem Segen.

Hals über Kopf wurde ich damals in das übliche Sonntagsprogramm des Pfarrgeistlichen gestürzt.

Am Montag hielt ich in der Schule den Religionsunterricht für ein drittes Schuljahr, fuhr dann mit dem Fahrrad zu einer Bauernschaftschule, wo mehrere Altersgruppen in einer Klasse unterrichtet wurden.

Am Montagnachmittag lernte ich beim Konveniat  der Priester die Kollegen aus der Nachbargemeinde kennen.  Und ich war sehr enttäuscht, dass die Mitbrüder vor allem Doppelkopf spielen wollten, anstatt sich um den neuen jungen Mitbruder zu kümmern.

In Warendorf, meiner ersten festen Kaplanstelle, war die berufliche Situation ähnlich: Viele Aufgaben, wenig Kontakt der Priester untereinander, viele Begegnungen mit Menschen im Gemeindeleben, aber im Innersten allein mit meinem Herrgott, alleine mit meiner noch spärlich eingerichteter Wohnung, alleine beim Essen in einem Altenheim der Pfarrgemeinde, alleine mit meinen Planungen, die ich mit meinem Pastor kaum besprechen konnte, weil der für ein kollegiales Gespräch nie Zeit hatte.

Die Einsamkeit ist für mich lange ein Problem geblieben, auch in den folgenden Wirkungsstätten als Kaplan und junger Pastor.

Wenn nach manchen Jahren ausgestandener Einsamkeit nicht eine gute Frau zu mir gesagt hätte: „Ich gehe deinen priesterlichen Weg mit dir“, ich weiß nicht, ob ich ein 50-jähriges  Priesterjubiläum erlebt hätte. Darum gilt mein besonderer  Dank für jetzt 33 gemeinsame Jahre Hanna Mense. Ich bin dankbar auch einigen geistlichen Mitbrüdern, die mir wirklich Mitbrüder waren und sind.

Dankbar bin ich vielen Menschen in den Pfarrgemeinden, die mich mit Sympathie, gutem Rat und Anteilnahme in frohen und schwierigen Tagen begleitet haben. Vor allem gilt mein Dank Gott, dem Herrn, der mich berufen hat, diesen Lebensweg zu gehen. Danke für die Kraft und den guten Beistand für jetzt und schon seit 50 Jahren.

Ein Priester, der als Kaplan oder Pfarrer für eine Gemeinde tätig ist, hat sich um vielerlei zu kümmern. Oft habe ich mich gefragt: Was ist dein priesterliches Kerngeschäft? Was ist deine Hauptaufgabe? Dafür schaue ich auf Verse des Apostels Paulus in der heutigen Lesung: Paulus kam nach Korinth, nicht etwa, um eine neue Kirche zu bauen, nicht um die caritativen Aufgaben in der Gemeinde von Korinth zu organisieren. Der Grund seines Kommens war, so schreibt er, „das Zeugnis Gottes zu verkünden“, das bedeutet, von Jesus Christus zu sprechen, dem Zeugnis Gottes, denn durch Ihn hat sich der allmächtige, allweise Gott bezeugt.

Paulus sprach vor allem zu den Ungläubigen, zu heidnischen Griechen und anderen Völkern, die sich in der großen Hafenstadt aufhielten. Und er sprach zu den Neubekehrten, zu Christen der ersten Generation. Diese musste er im Glauben an Christus bestärken, in den anderen den Glauben an Christus erst einmal wecken. Dass ihm diese Aufgaben nicht  leicht fielen, gibt er freimütig zu. Aber er verlässt sich auf die Kraft Gottes, die durch Menschenwort und die Seelen der Menschen verändern kann.

Ich habe sehr viele Predigten gehalten. Gepredigt in den Kirchen, wo ich Kaplan war oder  als Pfarrer tätig war, und in den vielen anderen Kirchen, wohin ich des Amts wegen als Dechant oder aus bestimmten Anlässen gerufen wurde. Oder in Kirchen und Kapellen bei Fahrten der Pfarrgemeinden, oder an einem provisorischen Altarplatz inmitten eines Zeltlagers. Immer habe ich die Botschaft Christi verkündet, so wie sie im heutigen Evangelium klar und deutlich von Jesus überliefert ist: „Ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt, die Stadt auf dem Berge. Lasst euer Licht vor den Menschen leuchten.“

Wir Priester von heute sprechen die Botschaft Christi nicht wie einst Paulus zu Neuchristen, sondern zu Altchristen, zu Christen also, die schon seit Jahrhunderten  Christen waren und sind.

„Wir kennen das ja alles von Kindheit an“, tönt es leise, still oder laut den Predigern entgegen. Um sich Gehör zu verschaffen, ist der Prediger ganz entschieden darauf verwiesen, das Denken, Fragen, Suchen und Jagen der Menschen von heute ins Predigtthema zu bringen. Die Menschen von heute müssen sich in den Predigtworten wiedererkennen. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe, die selten gelingt. Es bleibt der Satz des Paulus bestehen: „Meine Botschaft war nicht wortgewandte Überredungskunst, sondern Erweis von Gottes Kraft, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheiten stützt, sondern auf die Kraft Gottes.“

Doch entweder ist die Kraft Gottes nicht stark genug oder wir Prediger predigen am Interesse der Menschen vorbei. Tatsache ist, dass immer weniger Christen uns hören wollen. Die Kirchen werden immer leerer. Die Zahl der Prediger, der Priester und Diakonie, wird auch immer geringer.

Die Familien, in denen gebetet wird, werden immer weniger, junge Christen gehen kaum noch in die Kirche.

Wenn wir heute als Goldjubilare eine Bilanz ziehen wollen, müssen wir hin weisen auf ein Fiasko, das wir zurücklassen. Einst vor 20 Jahren in dieser Kirche St. Silvester waren 1200 Christen am Sonntag, jetzt gerade mal 300 am Samstag und Sonntag. So sind die Verhältnisse in fast jeder Kirche in Deutschland.

Die überzeugten Christen werden eine kleine Gruppe in unserem Vaterland. Viele Kirchen sind schon zweckentfremdet worden, manche sogar abgerissen. Wir brauchen sie nicht mehr. Ihren Unterhalt können wir nicht mehr bezahlen. Ihre teuren Grundstücke werden für gutes Geld verkauft und kommen den klammen Kirchenfinanzen zugute.

Die Kirche muss sich für die Zukunft wandeln. Konkret:  Sie muss neue Wege  zum Weiheamt eröffnen. Dass die Kirche das einmütig kann, hat sie beim II. Vatikan. Konzil  bewiesen, als sie das altkirchliche Amt des verheirateten Diakons wieder einführte. Und was heute alles möglich ist, weist die Kirche auf, wenn anglikanische, verheiratete Bischöfe und Priester in die katholische Kirche aufgenommen und weiter ihr Amt als verheirateter Priester leben können.

Wann endlich wird das in der alten Kirche übliche Diakonat der Frau wieder eingeführt? In einer Welt, in der in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur die Frau als emanzipierte, selbstbewusste, fachkompetente Person erlebt wird, erscheint die katholische Kirche mit ihrer Männerwirtschaft als antiquirt.

Was wird werden aus der katholischen Kirche? Sie geht keiner glorreichen Zeit entgegen. Sie hat nur Zukunft mit Christen, die ihren Glauben wirklich ernst nehmen, ihn leben in privater, häuslicher Frömmigkeit und in der Teilnahme am Gottesdienst der Pfarrgemeinde und die darauf bedacht sind, christlichen Werten in Politik und Wirtschaft Geltung zu verschaffen. Die Kirche hat Zukunft, wenn auch die Kirchenleitung Mut zu neuen wegen aufbringt.

Die Kirche ist ein Menschenwerk und Gotteswerk. Wir vertrauen die Zukunft der Kirche Gott an. Welche Wege wird Gott ihr weisen? Gebe Gott den Verantwortlichen Weisheit und Klugheit, dass sie rechtzeitig Gottes Wege erkennen und vertrauensvoll diese Wege wagen. Amen

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1 KOMMENTAR

  1. Hallo liebe Frau Bosse,
    als Schwester von Pastor Barlage möchte ich Ihnen danken für die netten Bilder, die Sie uns auf CD gestern gegeben haben. Auch die positive und sehr gute Berichterstattung finden wir prima. Ihnen alles Gute und bis bald mal wieder.
    Liebe Grüße Mechtild und Jan-Bernd Pernhorst

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