Hasting Street in Vancouver sollten Touristen meiden

Der Duft von Cannabis lag überall in der Luft wo ich  war. Dies war höchstwahrscheinlich die harmloseste Droge, die hier auf der Hasting St. konsumiert wurde. Auf meinen Weg nach China-Town fand ich mich plötzlich in der „no go“ Zone von Vancouver wieder.

Meinen Rucksack fest geschultert, meine Kamera sicher in der Hand marschierte ich also los. Vor einem großen und architektonisch schönem Gebäude blieb ich stehen. Auf der Treppe der Eingangstür, in dem kleinen Garten neben der Straße und auf dem Bürgersteig standen Menschen, die nur aus meinen schlimmsten Alpträumen entsprungen sein konnten. Halluzinierend, zerlumpt, halb nackig, schmutzig, dünn oder mit aufgeblähten Bäuchen, hier war alles vertreten. Ich schloss mich dem Strom der Menschen an und ging in das Gebäude hinein. Es war so etwas wie bei uns „die Tafel“. Nur viel aufwendiger und auf den ersten Blick anheimelnder; mit einer großen Bibliothek, Aufenthaltsräumen mit TV, Internet und Leseraum.

Es war Mittagszeit…[spoiler] und Essensaufgabe. Auf dem Speiseplan heute stand: Nudeln mit Gemüse und Fleisch. Unterschiedliche Nationalitäten waren hier vertreten. Indianer, Chinesen, Weiße, Farbige und alle hatten eins gemeinsam: Hunger und sie waren obdachlos, total verarmt, drogensüchtig, HIV-positiv und viele der Frauen gingen der Prostitution nach. Wie Sheela. Eine junge Frau von knapp 25 Jahren. Sie kam aus guten Verhältnissen, wie sie berichtete. Tochter reicher Iraner in der 2. Generation. „Und als ich mich in einen Chinesen verliebte, schmissen mich meine Eltern raus“, erzählt mir die  junge Frau. Der Abstieg ging schnell: Chinese hat sie verlassen, sie war schwanger, das Kind nahm man ihr weg, Drogen, Prostitution, Obdachlosigkeit. Nach dem kurzem Gespräch wackelte Sheela auf ihren dünnen und vernarbten Beinchen davon. Der kurze Lackrock war mehr ein Fetzen. Ein kurzer trauriger Blick aus ihren großen braunen Augen und weg war sie.
Und dann war da noch Steve. Er saß auf der Straße und versuchte einige Habseligkeiten zu verkaufen. Alles Müll und ich denke, dass wusste er selber. Der 28-jährige hatte so ziemlich alles, was ein Mensch nur haben kann. Aids, keine Wohnung, kein Geld und Drogensucht. Aber er war auch ein kleiner Poet. Die Welt verändern, das war, trotz seines erbärmlichen Daseins, wie er selber gesteht,  immer noch sein unermüdlicher Wunsch. Steve schrieb kleine Gedichte und versuchte diese an Touristen zu verkaufen. Ich zahlte Steve  5 Dollar und durfte den Text direkt in mein Netbook schreiben:

 

Mother Earth
She is so much danger due to human stupidity, lack of communication;
Ships…ocean-liners..dont`even give a damm.
Goverment is not punishing the people responsbible, our oceans are polluted, our air is near the brim, animals are coming down from the mountains but people are whining about their pets…Hello!
Wake up! Greet is in everyone`s pocket: You are building on our animals Territories, so please stop you belly-aching. Learn to share with our animals instead of stealing their homes and keep the environment alone.
Mother Earth will not survive much longer – Quit being greedy!!!

Und dann gab es da noch zwei hungrige Männer, die sich über einen Müllcontainer vor einem chinesischen Obst-und Gemüseladen genussvoll und laut schmatzend hermachten. Ich schaute mir mal näher an, was es dort so leckeres zu essen gab. Ich traute meinen Augen nicht. Erdbeeren über Erdbeeren, neben Paprika und Salat. Für unsere Verhältnisse nicht nur mehr essbar, sondern wir hätte diese  zur Entsorgung zum Sondermüll bringen müssen. Gleich nebenan stand eine junge Chinesin die unermüdlich weitere schimmelige Erdbeeren aus den zahlreichen Paletten raus suchte. Und die „Guten“, die anschließend in den Verkauf kamen, hätten jeden Kompost bei der Entsorgung aus dem ökologischen Gleichgewicht geschmissen. Und wir bei uns in Deutschland stellen uns schon an, wenn wir Lebensmittel einen Tag vor dem Verfallsdatum in den Regalen sehen.
Nach diesem fast dreistündigem Aufenthalt setzte ich meinen Weg nach Chinatown fort.
Darüber aber im nächsten Bericht mehr. Vieles liegt mir jetzt noch schwer im Magen.
(Alle Fotos habe ich nur mit versteckter Kamera gemacht) Mein Poet und Sheela wollten nicht fotografiert werden, was ich durchaus verstehen konnte. Für die Aufnahmen in der Carnegie Hall hatte ich mir das o.k. Von einem Mitarbeiter geholt.
Das  Carnegie Community Centre wurde 1903 als Vancouver’s erste öffentliche Bücherei eröffnet. Konstruiert hat das Gebäude der Amerikaner Andrew Carnegie.  [/spoiler]
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