Das muss ich hier mal los werden. Gestern besuchte ich meine Freundin hier in Erle am Ende des Dorfes. Die Sonne schien herrlich und deswegen setzten wir uns in den Garten. Ich muss gestehen, dass ich den Garten nur zur Sommerzeit kenne, also mit  einer rundum blickdichten Hecke zum Nachbargrundstück. Als mein Blick auf der Suche nach Unkraut durch die Beete meiner Freundin schweifte, machte ich eine doch etwas ungewöhnliche Entdeckung. Ein Netz, ungelogen mindestens auf einer Länge von 30 Meter, schön in knall orange, erblickte ich auf der anderen Heckenseite. Eine Netzstrumpfhose für Buchenhecken? Jetzt war ich neugierig. Vielleicht gegen Wildwechsel, Hasen, Kaninchen, Goldfische, Regenwürmer, Maulwürfe, tief fliegende Kraniche oder herumstreuende Katzen? Als meine Freundin endlich mit zwei Tassen Kaffee in den Garten kam fragte ich natürlich, warum ihre Buchenhecke so eine peppige Netzstrumpfhose an hat?   Die Antwort verschlug mir erst einmal die Sprache. Dann bekam ich eine Schnappatmung und anschließend einen Lachkrampf.  Wegen der Blätter. Wie wegen der Blätter? Die Blätter, die von der Buchenhecke fallen…..genau. Und damit der Garten des Nachbarn nicht von Buchenblättern verunreinigt werden kann, hat dieser  seiner Hecke eine Netzstrumpfhose verpasst.  Im  nach hinein kann ich aber gar nicht mehr so lachen, denn ich frage mich, was geht in den Köpfen mancher Menschen vor, die Angst vor Blätter haben. Was für ein sinnloser Kampf! Gegen Blätter kämpfen, damit diese den Garten nicht verunreinigen. Bleiben da nicht die eigentlichen Werte auf der Strecke? Sich Gedanken über echte Probleme in der Welt zu machen? Wie kleinkariert muss Mensch sein, wenn er einen Blätterkrieg führt? Oder vielleicht ist das eine gute Taktik, sich wirklich  schwere Probleme vom Hals zu halten, denn wer einen Blätterkrieg führt, der ist das ganze Jahr über echt gut beschäftigt. Blatt für Blatt, Stunde für Stunde und Tag für Tag. Wie viele Blätter hatte die Hecke noch im letzten Jahr?

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4 KOMMENTARE

  1. Aber wie uns die Geschichte gelehrt hat, können auch marginale Probleme zu einer Katastrophe führen.
    Interessant ist auch die Bedeutung des Wortes „marginal“.
    „Je marginaler, das heißt je enger an der Grenze zum interessierenden Gegenstandsbereich das Gegenbeispiel liegt, desto präziser lässt sich diese Grenze bestimmen. Gegenstände, die knapp außerhalb der Grenze des Gegenstandsbereichs liegen, für den der Prädikator steht, können so sicher als nicht zum Prädikator gehörig ausgeschlossen werden“. Also „Grenze“ heißt das Zauberwort!

  2. Es ist sehr angenehm, dass angesichts des gobalen Desasters, durch den Menschen angerichtet, auch noch marginale Probleme existieren.

  3. Ich wohne im Süden von Erle und wir haben eine 18m lange Buchenhecke. Bei uns wartet man, bis der Wind richtig steht, dann schüttelt mann am Stamm, oder mann fährt brutal mit dem Rasenmäher gegen die Hecke.

  4. Zu allen Zeiten brauchte der Mensch eine immerwährende Aufgabe, die ihn erfüllt. Früher kämpfte Don Quichotte mit der Lanze gegen Windmühlen – heute kämpft man mit knallfarbenen Netzstrumpfhosen gegen Blätter. 😀

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