Überraschende Wende im Ausschuss der Gemeinde Raesfeld: Die Skulptur „Der Traumfänger“ wird nicht verkauft. Stattdessen stellt Eigentümerin Lucie Hetkamp das Kunstwerk der Gemeinde als unentgeltliche Dauerleihgabe zur Verfügung. Vorausgegangen war eine kontroverse Diskussion über einen geplanten Ankauf für 15.000 Euro.
Überraschende Wende nach kontroverser Diskussion
Im Ausschuss für Schule, Bildung, Kultur, Sport, Jugend, Senioren und Soziales stand am Mittwochabend erneut die Zukunft der Skulptur „Der Traumfänger“ des Künstlers Norbert Then auf der Tagesordnung. Wie bereits berichtet, hatte Lucie Hetkamp der Gemeinde angeboten, die Skulptur aus ihrem Privatbesitz für 15.000 Euro zu verkaufen. Die Verwaltung hatte den Ankauf empfohlen.
Zu Beginn der Beratung fragte Sonja Köhler (SPD), ob für das Kunstwerk ein Wertgutachten vorliege. Markus Büsken, Erster Beigeordneter der Gemeinde, erklärte, dass es bei Kunstwerken in dieser Form keine Gutachten gebe.
Pia Groß-Onnebrink (UWG) machte deutlich, dass sie einen Ankauf angesichts der angespannten Haushaltslage kritisch sehe. Sie halte den Kauf für keine gute Lösung.
CDU präsentiert überraschenden Lösungsvorschlag
Mitten in der Diskussion ergriff Dr. Bernhard Bonhoff (CDU) das Wort und kündigte an, dass er nach längeren persönlichen Gesprächen mit Lucie Hetkamp eine andere Lösung vorstellen könne.
Er erklärte, Lucie Hetkamp sei bereit, die Skulptur der Gemeinde unentgeltlich als Dauerleihgabe zu überlassen. Voraussetzung sei, dass das Kunstwerk zeitnah einen neuen, würdigen Standort innerhalb der Gemeinde erhalte.
Bonhoff kritisierte zugleich die Diskussionen in den sozialen Medien. Er sprach von teilweise „abwertenden, würdelosen und respektlosen Kommentaren“, die der Bedeutung des Kunstwerks und der Lebensleistung der Unternehmerin nicht gerecht würden.

Statement von Dr. Bernhard Bonhoff (CDU)
Mit großem Respekt und besonderer Wertschätzung blickt unsere Gemeinde auf die mehr als 160-jährige Geschichte des traditionsreichen Unternehmens Hetkamp zurück. Über Generationen hinweg hat das Unternehmen nicht nur wirtschaftliche Bedeutung für unseren Ort gehabt, sondern das Bild und die Wahrnehmung unserer Gemeinde weit über die Ortsgrenzen hinaus geprägt.
Das Möbelhaus war über Jahrzehnte ein echtes Aushängeschild unseres Ortes. Mit seinem außergewöhnlichen Angebot hochwertiger Möbel, Kunstgegenstände und Antiquitäten zog es Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region an. Viele Gäste verbanden ihren Besuch des Möbelhauses zugleich mit einem Aufenthalt im Ortskern, am Schloss und in unserer Gemeinde insgesamt. Das Unternehmen hat damit in besonderer Weise zur Bekanntheit, Attraktivität und Identität unseres Ortes beigetragen.
Lucie Hetkamp hat dieses traditionsreiche Haus über viele Jahre mit großem persönlichem Engagement, unternehmerischem Geschick und hoher fachlicher Kompetenz geführt. Zahlreiche Menschen verbinden mit dem Möbelhaus nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch persönliche Erinnerungen, berufliche Erfahrungen und menschliche Begegnungen.
Vor diesem Hintergrund bedauern wir, dass die öffentliche Diskussion über die Skulptur teilweise von unsachlichen und wenig respektvollen Kommentaren begleitet wurde. Die Skulptur besitzt nicht allein einen materiellen Wert. Sie hat insbesondere einen hohen ideellen und emotionalen Wert, da sie der Unternehmerin anlässlich ihres 75. Geburtstages von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens als Zeichen der Anerkennung und Verbundenheit überreicht wurde. Damit steht sie zugleich für die Geschichte des Unternehmens und für die Menschen, die über Jahrzehnte zu dessen Erfolg beigetragen haben.
In dieser Situation hat sich die CDU-Fraktion kurzfristig und persönlich um eine Lösung bemüht. In direkten Gesprächen mit der Unternehmerin konnte ein konstruktiver Dialog geführt werden, der schließlich zu einer Vereinbarung geführt hat, die sowohl den Interessen der Gemeinde als auch den Vorstellungen der Eigentümerin gerecht wird. Die CDU freut sich, dass dadurch ein für alle Seiten guter Weg gefunden werden konnte und die Skulptur der Öffentlichkeit erhalten bleibt.
Umso mehr freuen wir uns darüber, dass Lucie Hetkamp bereit ist, der Gemeinde die Skulptur unentgeltlich als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Diese außergewöhnlich großzügige Geste verdient unseren ausdrücklichen Dank und unsere Anerkennung. Wir schlagen vor, dieses Angebot mit großer Wertschätzung anzunehmen.
Die Skulptur soll künftig einen würdigen und gut sichtbaren Standort erhalten, an dem sie ihre Wirkung bestmöglich entfalten kann. Dabei besteht Einigkeit, auch mit Lucie Hetkamp, darüber, dass die Figur an ihrem derzeitigen Standort nicht angemessen zur Geltung kommt. Gemeinsam mit der Eigentümerin soll daher ein neuer Standort ausgewählt werden, der sowohl der Bedeutung des Kunstwerks als auch seiner Geschichte gerecht wird.
Die Verwaltung wird beauftragt, die erforderlichen vertraglichen Vereinbarungen mit der Eigentümerin auszuarbeiten und abzuschließen. Diese sollen auch einen dauerhaften Verbleib miteinschließen. Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass der Transport der Skulptur unmittelbar und ohne eine zwischenzeitliche Einlagerung erfolgt. Ziel ist es, das Kunstwerk schonend und fachgerecht an seinen neuen Bestimmungsort zu versetzen.
Mit der Annahme dieser großzügigen Leihgabe würdigt die Gemeinde nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk, sondern auch die außergewöhnliche Lebensleistung einer Unternehmerin sowie die mehr als 160-jährige Geschichte eines Unternehmens, das unseren Ort nachhaltig geprägt und weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Die Skulptur bleibt damit als sichtbares Zeichen dieser Geschichte, der Verbundenheit ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen und als Teil des kulturellen Erbes unserer Gemeinde erhalten.
Damit noch einmal für mich und die CDU-Fraktion: Vielen Dank, Lucie.
Breite Zustimmung im Ausschuss
Nach dem Statement schloss sich Georg Steinkamp (FDP) den Ausführungen von Dr. Bonhoff an.
Karoline Schulze-Resse (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, sie hätte bei einem Kaufpreis von 15.000 Euro „Bauchschmerzen gehabt“. Durch die nun gefundene Lösung könne sie den Vorschlag mittragen.
So auch Sonja Köhler als auch van Wasen (UWG) sprachen sich dafür aus und schlossen sich dem Dank an Lucie Hetkamp an. Van Wasen betonte, dass es wichtig sei, die Skulptur dauerhaft in der Gemeinde zu erhalten.
Zum Abschluss der Sitzung richtete Bürgermeister Dirk Kuhmann seinen Dank ausdrücklich an Lucie Hetkamp sowie an Dr. Bernhard Bonhoff für dessen Einsatz. „Ich denke, dass wir auch einen würdigen Platz dafür finden werden“, sagte der Bürgermeister.



























