NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens Gast einer Demenzfachtagung mit 150 Interessierten
Legden/Kreis Borken. „Wir können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern. Es ist ein Schicksal, das verbessert werden kann, durch Kommunikation, Zuwendung, Ehrenamtlichkeit. Der Demenzkranke muss als gleichwertiger Mensch der Gesellschaft angesehen werden.“
Das waren Kernaussagen von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) bei einer großen Fachtagung mit dem Titel „Zukunftsmodell professionsübergreifender Zusammenarbeit“ im Landhotel Hermannshöhe in Legden (Kreis Borken). Das Projekt wird als Zukunftsprojekt auch von der Regionale 2016 unterstützt.
Mehr als 150 Teilnehmer und Gäste – viele aus den Bereichen Politik, Gesundheit und Krankenkassen – nahmen nach einem Tag voller Informationen viele Anregungen mit. Die Demenztagung war Abschluss des Legdener Projektes „Teilhabe am Leben – Integration von demenziell erkrankten Menschen in das dörfliche Leben in Legden“.
„Wir wollten mit dem Thema in einem jungen Dorf auch provozieren“
Dieses Vorhaben sei weitgehend gelungen, sagte Bürgermeister Friedhelm Kleweken. Mit dem Thema Demenz hätte auch provoziert werden sollen, vor allem in einem Zukunftsdorf mit besonders junger Bevölkerung. „Das schien anfangs nicht unbedingt das Thema zu sein, mit dem man als Bürgermeister Wahlen gewinnen könne.“ Doch inzwischen gebe es sogar ein Gartenzaunmanagement: Über den Grenzen und Zäune hinweg werde das „sensible Thema“, so Kleweken, in Legden angepackt. Und Dr. Volker Schrage, Mitglied des breitgefächerten Kompetenznetzwerkes „Gesund älter werden“ zur Früherkennung von Demenz: „Die Menschen kommen jetzt in meine Praxis und reden nicht mehr drumherum, sondern sagen klar und deutlich: Wir wollen einen Demenztest.“
„Wir bohren weiterhin ein sehr dickes Brett.“
Legden könne ins Land transportiert werden, frei nach dem Motto: „Legden ist überall“, fand die Gesundheitsministerin als prominentester Gast des Tages mit Podiumsdiskussionen, Vorträgen, einem Marktplatz mit Präsentationen und einer bilanzierenden Beiratssitzung zum Projekt „Teilhabe am Leben“.
Die Gesellschaft braucht nach Auffassung der Ministerin im Gesundheitswesen andere Strukturen. „Deshalb ist es ganz wichtig, was hier in Legden geschieht – dieses Miteinander. Das funktioniert nur, wenn alle zusammen auf Augenhöhe am Tisch sitzen. Wir wollen innovative Projekte haben. Und deshalb wird Legden als positives Beispiel durchs Land getragen.“
Steffens beklagte Kompetenzgerangel mit dem Bund, das der Sache – und den Betroffenen – erheblich schade. Unterschiedliche Rahmenbedingungen verhinderten eine schnellere Früherkennung und eine effektivere, unbürokratischere Betreuung Demenzkranker. Steffens: „Wir bohren weiterhin ein sehr dickes Brett.“

Landrat Dr. Kai Zwicker:
Legden entwickelt sich sozusagen als Labor für Zukunftsexperimente. Wir sind sehr gespannt, weil auch im ländlich strukturierten Raum Demenz immer eine größere Bedeutung findet. Die Entwicklung stellt die Helfer vor vielfältige Herausforderungen.
Wir widmen uns im Kreis dem Thema seit langer Zeit. Seit 2003 gibt es das Netzwerk Runder Tisch Demenz. Es sorgt für Transparenz und Aufklärung. Auch in diesem Jahr gibt es viele spannende Themen, mit denen er sich beschäftigt. Das sind: Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz, Sport für Menschen mit Demenz, allein lebende Menschen mit Demenz und Demenz im Krankenhaus. Übrigens sind alle Krankenhäuser und ein Großteil der stationären Krankenhilfe im Kreis wegen ihres vorbildlichen Umgangs mit multiresistenten Erregern ausgezeichnet worden.
Die Zusammenarbeit zwischen stationärer und ambulanter Versorgung zum Wohle des Patienten wird im Rahmen des Weiterbildungsverbundes und mit dem Projekt „Praxismonat Allgemeinmedizin“ besonders gefördert.
Schließlich hat die Pflegekonferenz im Kreis Borken vor Jahren einen standardisierten Pflegeverlegungsbericht entwickelt, der inzwischen in vielen Regionen Deutschlands angewendet wird.
Hintergrund „Teilhabe am Leben“
Im westlichen Münsterland haben sich niedergelassene Ärzte, Vertreter aus Krankenhäusern, der Alten- und Krankenpflege sowie Physiotherapeuten zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das sich die bessere Versorgung von Menschen mit Demenz sowie die Förderung von Demenzprävention und -früherkennung zum Ziel gemacht hat.
Unterstützt durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW und durch die EU wurden die Grundlagen für ein Zukunftsmodell professionsübergreifender Zusammenarbeit zur Sicherung der Teilhabe für Menschen Demenz geschaffen. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit wurden im Rahmen der Fachtagung mit gut 150 Teilnehmern am 23. April im Landhotel Hermannshöhe in Legden vorgestellt und mit Experten aus Pflege, Medizin und Politik diskutiert.
Die Projektbausteine „Gesund älter werden“ und „Teilhabe am Leben“, in denen Akteure professionsübergreifend und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, gehören zu dem Regionale 2016-Vorhaben „ZukunftsDORF Legden“. Ziel der Gemeinde ist es, sich mit vielfältigen Aktivitäten und Maßnahmen konsequent auf die Folgen des demografischen Wandels einzustellen und älteren Menschen mit Hilfe entsprechender Kompensations- und Begleitstrategien so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen.
© andresen-presseservice / Horst Andresen





























