Die Kläranlage Raesfeld steht vor einem Millionenprojekt. In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses wurde deutlich, wie komplex die Planungen sind und warum die Politik die Entscheidung zunächst in den Rat verschoben hat. Klar ist, die Kapazität reicht in den nächsten Jahren nicht mehr für die Gemeinde Raesfeld aus.
Kläranlage Raesfeld arbeitet am Limit
Die Kläranlage Raesfeld-Erle ist bereits heute stark ausgelastet. Nach Einschätzung der Fachplaner wird die Kapazität in den kommenden Jahren nicht mehr ausreichen, um das anfallende Abwasser der Gemeinde Raesfeld zuverlässig zu bewältigen.
Die Planungen stellte das Ingenieurbüro Rummler + Hartmann aus Havixbeck im Bau- und Umweltausschuss vor. Die Präsentation dauerte rund eine Stunde. Vielen Ausschussmitgliedern war das Thema jedoch zu umfangreich, um direkt zu entscheiden. Die Abstimmung wurde vertagt.

5,7 Millionen Euro für die Kläranlage Raesfeld
Für den Ausbau der Kläranlage Raesfeld sind Investitionen von rund 5,7 Millionen Euro vorgesehen. Etwa 4,47 Millionen Euro entfallen auf die Erweiterung der Kapazitäten. Weitere 1,22 Millionen Euro sind für die Modernisierung bestehender Anlagenteile eingeplant.
Kostenentwicklung bleibt unsicher
Zur Höhe der veranschlagten Kosten stellte Andreas Erzkamp, Fraktionsvorsitzender SPD, eine direkte Frage: „Können die Kosten auch geringer ausfallen?“ Planer Manfred Rummler antwortete darauf knapp: „Das ist voraussehbar eher nach oben.“ Er fügte hinzu, dass die weitere Entwicklung auch von der politischen Lage abhänge.
Bürgermeister Dirk Kuhmann verwies anschließend auf die Unsicherheiten der Kalkulation: „Die Zahlen sind von heute. Die Lage kann sich ändern, auch weil sich Ausschreibungen bis 2027 ständig verändern. Deshalb können wir am Ende keine exakten Kosten nennen.“

Neue Becken und moderne Technik geplant
Bauingenieurin Isabell Thomas erläuterte die geplanten Maßnahmen. Vorgesehen ist unter anderem ein neues Belebungsbecken mit 30 Metern Durchmesser. Dieses wird mit zwei Rührwerken ausgestattet und arbeitet mit einer intermittierenden Belüftung. Dabei wird die Luftzufuhr gezielt unterbrochen, um Stickstoff effizient zu entfernen und gleichzeitig Energie zu sparen.

Zusätzlich sind geplant:
- ein neues Nachklärbecken
- ein Rücklaufschlammpumpwerk
- ein Filtratspeicher mit rund 800 Kubikmetern Volumen
Parallel dazu wird die bestehende Anlage modernisiert. Die Kläranlage stammt aus dem Jahr 1985 und ist in Teilen technisch überholt. Unter anderem müssen Räumer im Sandfang und im Nachklärbecken erneuert werden.
Mehr Kapazität dringend nötig
Wie Planer Manfred Rummler erläuterte, läuft die Einleitungserlaubnis der Anlage Ende 2027 aus. Gleichzeitig steigt der Bedarf. Die Kapazität soll von derzeit 10.000 auf künftig 15.000 sogenannte Einwohnerwerte erhöht werden.
Mit den geplanten Maßnahmen würde die Anlage ein Gesamtvolumen von rund 6.200 Kubikmetern erreichen.

Diskussion um vierte Reinigungsstufe
Ein weiteres Thema ist die mögliche Einführung einer vierten Reinigungsstufe. Diese soll Rückstände wie Medikamente oder Pestizide aus dem Abwasser entfernen. Ob und wann diese Pflicht kommt, ist noch offen.
Aktuell ist die Kläranlage Raesfeld für drei Reinigungsstufen ausgelegt.
Weitere Maßnahmen und offene Fragen
Neben den großen Bauprojekten sind zusätzliche Arbeiten vorgesehen:
- neue Schaltanlagen
- neue Sandfänge
- bessere Isolierung von Leitungen
Außerdem soll ein Sanitärcontainer aufgestellt werden, da im bestehenden Betriebsgebäude keine Trennung von Arbeits- und Privatkleidung möglich ist.
Offen ist weiterhin, ob ein neuer Fällmittelbehälter für rund 300.000 Euro erforderlich ist. Dazu laufen Gespräche mit dem Regierungspräsidium.

Fertigstellung frühestens 2028
Der Baubeginn ist für Frühjahr 2027 geplant. Die Fertigstellung könnte etwa ein Jahr später erfolgen. Bis dahin müsste die Einleitungserlaubnis verlängert werden.
Die Idee, die Abwärme der Anlage für Fernwärme zu nutzen, wurde verworfen. Laut Planung ist dies wegen der Lage und fehlender Abnehmer nicht wirtschaftlich.
Entscheidung vertagt
Die Ausschussmitglieder wollen die umfangreichen Unterlagen zunächst in ihren Fraktionen beraten. Anschließend soll in einer der nächsten Ratssitzungen über den weiteren Verlauf der neuen Kläranlage in Raesfeld entschieden werden.



























