Ohne Fällung der Bäume gibt es keine Neugestaltung des Kirchplatzes. Entweder ganz oder gar nicht!

RAESFELD. Die Bäume an der St. Silvesterkirche werden gefällt.

Das entschied der Bau- und Umweltausschuss am Montagabend gegen die Stimmen von SPD, Grünen und UWG. Gleichzeitig müssen aber auch die Abwasserkanäle dringend erneut werden. Zwei unterschiedliche Pakete, die im Rahmen der Kirchplatzgestaltung anfallen und durchgeführt werden.

Stileichen Erler Kirche

Nicht grundlos habe man sich dafür entschieden, die Säuleneichen zu fällen, betonte Bernd Roters von der Bauverwaltung. Der Grund: Die Bäume durchwurzeln die verlegten Abwasserleitungen und heben das Pflaster an. Gleichzeitig werden die Kirche und auch die Nachbargebäude sehr stark verschattet.

Kanäle veraltert und durchlässig

Um die Kirche in ihrem Erscheinungsbild als Bauwerk aufzuwerten, sollen die Eichen gefällt werden. Bei den Untersuchungen der Kanäle seien, so Roters, erhebliche Undichtigkeiten festgestellt worden. Schuld daran seien auch die tiefen Wurzeln der Bäume.

Mit Blick auf das Hochwasser vor fünf Jahren sagte Roters: „Die Abwasserkanäle sind rund 50 Jahre alt und wir müssen hier dringend tätig werden. Es führt kein Weg daran vorbei, denn dass Aufnahmevolumen ist mit dem heutigen Stand nicht mehr zu vergleichen“. Alternativ, die vorhandenen 150er-Leitungen mit Inlinern zu versehen, sei ebenfalls nicht möglich.

Wolfgang Warschewski (UWG) regte an, die Bäume stehen zu lassen. Er könne sich vorstellen, dass die Kanäle anders verlegt werden. „Wenn in einem privaten Bereich Bäume gefällt werden, wird ein riesiger Aufstand gemacht. Und hier sollen einfach die Eichen gefällt werden“.

Eine Idee, die auch Klaus Rybarczyk anregte, die aber laut Roters nicht möglich sei, wenn der Kirchplatz barrierefrei umgestaltet werden soll. Auch könne nicht um die „Bäume“ herumgebaut werden, da sie rund 40–50 cm tiefer liegen, als das jetzige Gelände. „Da die Wurzeln stark die Kanäle angriffen haben, hilft hier auch kein Haareschneiden mehr, sondern die Füße müssen radikal abgehackt und die Bäume entfernt werden“, so Roters.

Stileichen Erler Kirche (

Ganz oder gar nicht

Außerdem durchkreuzen die Leitungen den Platz an vielen Stellen, sodass die Kanäle immer mit den Baumwurzeln in Kontakt kommen. „Wenn wir die Bäume stehen lassen, dann können wir den Platz nicht barrierefrei umgestalten“, lautete das Fazit von Roters.

Für eine barrierefreie Umgestaltung des Platzes hat die Gemeinde bereits die Zusage von 250.000 Euro Fördergeld erhalten. Das Geld wäre dann allerdings „futsch“, wenn der Platz nicht komplett barrierefrei umgestaltet wird, so Roters.

So kann auch nicht, wie Rybarczyk vorschlug, wegen der alten Bäume im Bereich des betreuen Wohnen auf den Bau einer behindertengerechten Rampe verzichtet werden. „Rosinenpicken gibt es nicht und ist auch für das Gesamtpaket keine Lösung“, so Tesing.

Eine dichte Kanalsanierung im Wasserschutzgebiet, stehe, so Martin Tesing, Beigeordneter der Gemeinde, im Wasserschutzgesetz.

Darüber hinaus gebe es keinen Zweifel daran, dass die Kanäle nachweisbar defekt seien, ergänzte Tesing. Er verwies unter anderem auf einen mehrenen Tausend Euro Wasserschaden im letzten Jahr in der Sakristei.

Für die Zukunft

Bernd Bölker ergänzte, dass die Bäume teilweise in einer Mulde stehen. „Wenn wir um die Eichen herum planen, haben wir aber nicht die Gewissheit, dass die Bäume in den nächsten Jahren nicht noch mehr Schaden nehmen. Die jetzige Maßnahme kostet der Gemeinde kein Geld. Deshalb würde ich dringend dazu anraten, den Platz neu, mit Blick auf die nächsten Jahre, zu gestalten und nicht wegen der neun Eichen auf das Fördergeld verzichten. Es wird dort etwas wirklich Schickes entstehen“.

Eichen passen gut zur Kirche

Für einen Erhalt der Eichen und gegen die Anpflanzung von Lindenbäumen sprach sich, neben Warschewski, ebenfalls Norbert Brömmel von den Grünen aus. „Es sind gesunde Bäume und wir finden die Eichen sehr schön und passend an der Kirche“.

„Die Bäume als unbedingt schön zu bezeichnen, ist Ansichtssache. Auch wenn man von Raesfeld kommt, sieht man, dass die Bäume höher sind als die Bedachung der Kirche. Und wenn wir schon den Platz neu gestalten, dann gehört eine komplette Erneuerung dazu“, sagte Jürgen Welsing (CDU). Außerdem fand Welsing, dass ein freier Blick auf die Kirche von Bedeutung sei.

Kirschbäume

Ersatzweise sollen für die Eichen, nicht wie erst angedacht Linden, sondern Kirschbäume ohne Fruchtbestand, gepflanzt werden.

Weiter wurde beschlossen, dass der Kirchplatz nicht einheitlich aus einem Pflaster, sondern mit holländischem Klinkerpflaster sowie mit Emblemen aus Natursteinpflaster belegt werden soll.

Kirchplatzerneuerung Erle-neue Strahler Silvesterkirche

Drei Fluter, die zur späteren Stunde oder zum Beispiel zum Weihnachtsfest ausgeschaltet werden können, sollen installiert werden, sowie rundum Laternen wie am Rathaus, sollen für ein vernünftiges Lichtfeld ohne Dunkelfelder an der Kirche sorgen.

Petra Bosse

1 KOMMENTAR

  1. – Eichenbäume sind tiefwurzelnd, aber standfest — siehe „St.-Silvester-Kirche“.
    – Kirschbäume sind flachwurzelnd, heben allerdings das Pflaster an — siehe „Truvenne“.
    – Platanenbäume beherrschen beide Disziplinen und schädigen das Abwassersystem darüber hinaus — siehe „Südring“. Das alles weiß man doch.

    Übrigens: „Jürgen“ Welsing: „ein freier Blick“ ist ganz sicher auf einem Fußballplatz von Bedeutung und für Pferde ohne Scheuklappen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here