HUB Erle, das neue Dorfgemeinschaftshaus eröffnet: Es war noch keine 11 Uhr am Samstagmorgen, da standen sie schon vor der Tür.
Nicht vor irgendeiner Tür, sondern vor dem neuen Dorfgemeinschaftshaus mitten in Erle. Vor dem HUB Erle. Neugierig, erwartungsvoll, manche sichtbar gerührt. Wer zu spät kam, musste sich hinten anstellen. Wer früh da war, hatte Zeit, das zu tun, was Erler gut können: reden, schauen, nicken, lächeln.
Wenn ein Dorf groß denkt und einfach macht
Nach gut einem Jahr Bauzeit wurde das HUB Erle offiziell eingeweiht. Ein Knotenpunkt und Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger aus Erle, Raesfeld, Schermbeck, Borken, Rhade, Dorsten und der Umgebung. Ein Projekt, das es so vermutlich nicht noch einmal gibt. Vielleicht deutschlandweit nicht. Entstanden allein durch die Zeichnung von Genossenschaftsanteilen. Rund 2100 Mitglieder, etwa 7000 Anteile, ein Gesamtkapital von rund 2.1 Millionen Euro. Man darf das ruhig zweimal lesen.


300 Euro, eine Idee und sehr viele Mitmacher für das HUB Erle
Ein Dorf mit rund 3200 Einwohnern in einer Gemeinde mit etwa 11.000 Menschen stemmt diese Summe für seine eigene Dorfkneipe. Möglich wurde das durch viele Aktionen, durch Gespräche, Überzeugungsarbeit und vor allem durch Genossenschaftsanteile zu jeweils 300 Euro. Begeisterte Menschen aus Erle, aber auch aus den umliegenden Kommunen, schlossen sich der Idee an. Sie zeichneten Anteile, empfahlen das Projekt weiter und machten mit.

So wuchs Schritt für Schritt eine Gemeinschaft, die nicht nur investierte, sondern an das Vorhaben glaubte. Dass am Ende mehr als 2.1 Millionen Euro zusammenkamen, ist nicht nur eine Zahl. Es ist ein starkes Zeichen dafür, was entstehen kann, wenn ein Dorf zusammensteht und Unterstützung von außen erfährt.

Mehr als eine Kneipe – ein Treffpunkt für alle
Mit dem HUB Erle entsteht weit mehr als ein Restaurant. Geplant war von Anfang an ein moderner Treffpunkt im Herzen des Dorfes. Offen für alle, die dazugehören oder einfach gern vorbeischauen. Ein Ort, an dem man sich trifft, bleibt, wiederkommt.
Dass der Bau nach dem holprigen Start in der Coronakrise dennoch innerhalb eines Jahres fertig wurde, grenzt fast an ein kleines Wunder. Möglich gemacht haben das vor allem die beteiligten Firmen, viele aus der Gemeinde Raesfeld. Sie arbeiteten, wenn nötig, nachts und sonntags. Teilweise deutlich unter den üblichen Preisen. Nicht aus Kalkül, sondern aus Überzeugung. Damit das Budget hält. Damit das Dorf gewinnt.
An diesem Samstag war das Glück greifbar. Man sah es den Genossinnen und Genossen an. Stolz, Erleichterung, ein bisschen Rührung. Alles zugleich.


Die Schützenfahne ist wieder zuhause
Besonders freut sich auch der Erler Allgemeine Bürgerschützenverein. Die Erler Schützenfahne hat endlich wieder ein Zuhause. Nach rund 25 Jahren in der ehemaligen Dorfkneipe Brömmel-Wilms hängt sie nun wieder dort, wo sie hingehört. In Erle. Sichtbar. Würdevoll.
Und auch der neue Betreiber hat sich für seine Dorfkneipe ordentlich ins Zeug gelegt.

Neuer Wirt, neues Konzept – und doch vertraut
Christian Lipfert setzt auf ein neues Konzept. Weg vom Verstaubten, ohne die Tradition über Bord zu werfen. Das sorgte anfangs nicht bei allen für Begeisterung. Aber spätestens an diesem Samstag, bei der offiziellen Einweihung durch Pastor Fabian Tilling von der Kirchengemeinde Raesfeld, war klar: Das passt. Und es funktioniert.

„Vielen Dank an alle, die dieses Projekt möglich gemacht haben. Ich bin stolz darauf, dass ich nicht irgendwo bin, sondern hier in Erle. Wir kennen uns hier persönlich, und ich freue mich sehr, hier zu sein und zu erleben, dass Erle ein Knotenpunkt für viele Menschen ist“, sagte Lipfert während der Einweihung im Schatten der St.-Silvesterkirche.
Und weiter: „Ich bin auch sehr stolz darauf, dass wir heute der Erler Schützenfahne hier ein neues Zuhause geben können. Ich freue mich sehr, dass der Schützenverein auch künftig ein Zuhause in Erle hat.“

Bürgermeister, kurze Worte, klare Wünsche
Auch Bürgermeister Dirk Kuhmann richtete sich an die Gäste. Ohne große Reden, dafür mit klarer Botschaft.
„Liebe Grüße an die Gremien, und der Dank gilt allen, die dieses Projekt unterstützt haben. Auch von mir ein herzliches Willkommen an alle Gäste. Es ist ein schönes Bild zu sehen, wie sich jeder Raum dieses Hauses mit Menschen füllt. Genau so haben wir uns das vorgestellt.“
Sein Wunsch sei, dass die Bürger diesen Ort mit Freude annehmen, zusammenkommen, sich austauschen und zusammenhalten. „Das erleben wir heute bereits“, sagte Kuhmann und machte deutlich, wofür dieser Tag da war: für die Menschen, nicht für lange Ansprachen.
„Lasst uns hier zukünftig zusammenkommen, um zu lachen, tanzen und fröhlich zu sein.“


Der Pastor, der Nachbar und der beste Platz im Haus
Für gute Laune sorgte anschließend Pastor Dr. Fabian Tilling. Gut gelaunt, herzlich, mit einem Augenzwinkern. „Willkommen zuhause“, begrüßte er die Gäste. Als direkter Nachbar des HUB Erle und Hausherr des höchsten Gebäudes im „Stadtgebiet“, freue er sich sehr, diesem Haus den Segen zu geben. Und dann der Satz, der im Dorf hängen blieb: Wenn er einmal ganz entspannt aus einem großen Fenster auf die St.-Silvesterkirche schauen wolle, dann sei das hier genau der richtige Platz. Lachen im Saal inklusive.

Freibier, Musik und neugierige Gäste
Nach dem offiziellen Teil füllten sich Kneipe und Saal in der obersten Etage schnell. Das Blasorchester Erler Jäger begleitete die Einweihung und den Einzug der Schützenfahne musikalisch. Es gab Freibier und kleine Snacks gegen eine freiwillige Spende.
Und wer dachte, hier seien nur Erler unterwegs, irrte. Auch viele Auswärtige schauten neugierig vorbei. Manche testeten bereits ihren künftigen Stammplatz. Ganz unverbindlich, versteht sich.
Pastor Tillings Lieblingsplatz stand da längst fest. Oben im Saal. Mit Blick auf die St.-Silvesterkirche. Den höchsten Kirchturm im Stadtgebiet. Und auf ein Dorf, das sich an diesem Tag selbst ein kleines Denkmal gesetzt hat.





















