Kommentar von: Petra Bosse

Das Grundstück von Hotel Keller war nie für ein komplettes Altenheim oder für eine Seniorenresidenz zugelassen

Das Hotel Keller beschäftigt die Verwaltung der Gemeinde schon seit Jahren. Nicht nur in der letzten Ratssitzung. Fakt ist, dass die Keller GmbH & Co KG Insolvenz angemeldet hat.

Der Insolvenzverwalter trifft derzeit alle kaufmännischen Entscheidungen. Er versucht das Paket, rund 16 Hotelzimmer sowie 20 Zimmer für Seniorinnen und Senioren zu verkaufen. Dieser Mix aus Altenheim und Hotel allerdings passt nicht in das Gesamtpaket des Insolvenzverwalters und macht das derzeitige Haus Keller in seiner doppelgeführten Funktion für Investoren unattraktiver.

Landhaus Keller

Der Insolvenzverwalter jedoch setzt darauf, dass die Verwaltung ihre Pläne ändert, damit das Altenheim nicht mehr in Verbindung mit einem Hotel zukünftig geführt werden darf. Diesem Wunsch hat der Rat jedoch einstimmig am Montag abgelehnt.

Zimmermangel in der Gemeinde

Die Gründe sind verständlich, denn der Gemeinde Raesfeld mangelt es derzeit nicht an Attraktivität, sondern, nach dem Wegfall von Hotel Epping, Aelkeshof und dem Hotel Sterndeuter Turm an Hotelzimmer. Raesfeld ist im Aufwind. Der Naturpark Hohe Mark, „Heirate wann du willst“ und die gut ausgebauten Radwege ziehen jährlich viele Besucher nach Raesfeld. Hinzu kommt die anerkannte Akademie des Handwerks, die ebenfalls für ihre Schulungsteilnehmer Hotelzimmer benötigt.

Ein gut geführtes 3-Sterne-Hotel, besonders an diesem Standort mit einem engagierten Betreiber, würde der Gemeinde Raesfeld gut zu Gesicht stehen und für den Tourismus förderlich sein.

Sonderbaugenehmigung

Hotelbetten, besonders in der gehobenen Klasse, waren bereits Anfang der 90-ziger Jahre rar in Raesfeld. Trotz Bettenmangel hat sich der Gemeinderat schon damals schwer damit getan, dem damaligen Hotelier Krebber an dieser exportierten Lage eine Sonderbaugenehmigung für ein Baurecht in Form eines Sondergebietes zu schaffen.

Die Kommunalpolitiker und die Verwaltung hatte seinerzeit dann einstimmig beschlossen und sich bewusst dafür entschieden, die Nutzung für das Grundstück nur für ein Hotel zuzulassen, sodass Krebber, der dann wenige Jahre und aus unterschiedlichen Gründen in die Insolvenz ging, sein Hotel bauen konnte.

Landhaus Keller
Hotel Landhaus Keller Februar 2012

Bedenken von Raesfelder Politiker

Der Dorstener Altenheimbetreiber Heinz-Josef Keller übernahm das Hotel Krebber im Jahre 1998. Er ließ das Haus aufwendig renovieren und rundum erneuern. Seine ursprünglichen Pläne, hier eine Seniorenresidenz direkt gegenüber dem Schloss zu bauen, bekam er aus den oben genannten Gründen von der Verwaltung nicht genehmigt. Somit eröffnete die Familie Keller im Januar 1999 eine Nobelherberge der gehobenen Klasse.

Bedenken zum Betreiber Keller hatte die SPD-Fraktion bereits vor der Neuöffnung geäußert. Sie vermutete, dass Keller nichts unversucht lassen würde „durch die Hintertür seine Pläne durchzusetzen und nur ältere Herrschaften dort wohnen lassen möchte“ (Quelle Borkener Zeitung). Auch die Politiker befürchteten, dass Keller andere Interessen verfolge, als langfristig ein Hotel zu führen.

Landhaus Keller Raesfeld
Landhaus Keller in Raesfeld

Geänderter Bebauungsplan 2006

Sie sollten recht behalten, denn der Streit zwischen Keller und der Verwaltung zog sich über Jahre hin. Keller wollte mit aller Macht sein Altenheim durchsetzen. Letztendlich ließ sich die Verwaltung auf eine Kompromisslösung ein. Der Bebauungsplan wurde 2006 vom Rat dahin geändert, welcher nach Abschluss eines neuen städtebaulichen Vertrages der Familie Keller die Betreuung von Senioren im beschränkten Umfang, sprich 20 Zimmer, ermöglichte.

Unwirtschaftlich

Schnell zeichnete sich aber ab, dass 20 Seniorenzimmer alleine nicht wirtschaftlich sind und sich schon gar nicht mit den restlichen Hotelzimmern vereinbaren lassen. Keller war jedoch jahrelang der Meinung, dass er diese Entscheidung ändern könne. Er hat nichts unversucht gelassen, hier ein komplettes Altenheim herzurichten. Regelmäßig, bis zur Insolvenz, gab es vonseiten Keller Anfragen im Rat, ob das Baurecht nicht dahin geändert werden könne, dass nur noch ein Altenheimbetrieb möglich ist.

Die Gemeinde jedoch hielt immer, bis heute, daran fest, dass dieser Standort immer originär ein Hotelstandort war, und bleiben soll.

Erst den kleinen Finger, dann die ganze Hand

Als Kompromiss hatte die Gemeinde ihm bereits schon den kleinen Finger, mit der Zusage von 20 Plätzen als Altenheim zu nutzen, gereicht. Er wollte aber die ganze Hand. Am Ende stelle er dann fest, dass ein Nebeneinander von Hotel und Altenheim nicht funktioniert und es dazu beigetragen hat, dass er in die Insolvenz gegangen ist.

Jetzt möchte aber auch der Insolvenzverwalter das haben, was Keller in all den Jahren nicht erreicht hat: die ganze Hand. Darauf lässt sich aber die Gemeinde nicht ein und bleibt, wie bei Keller konsequent. So wie es jetzt ist: Hotelbetrieb mit Altenheim, oder nur Hotel!

Es wäre der Familie Keller gegenüber auch unfair, wenn die Gemeinde plötzlich für einen neuen Investor ihre Pläne ändert und ein Altenheim genehmigt.

Den Fehler, der damals von Seiten der Gemeinde gemacht wurde, Keller die Plätze zuzubilligen, den sollte die Gemeinde nicht wiederholen. Denn die Erfahrung hat nur bestätigt, was schon angekündigt war, dass eine Zweigleisigkeit, Altenheim und Hotel, nicht funktioniert.

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