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Hedwig Köllner feiert ihren 101. Geburtstag

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Sechs Jahre lang gehörte Hedwig Köllner zum Leben in Erle. Nach einem Sturz hatte ihr Sohn sie 2020 aus Essen-Borbeck zu sich geholt. Besonders gern sei sie durch den Tiergarten am Schloss spaziert oder habe die Nachmittage auf der Terrasse verbracht. Am Dienstag, 25. August, feierte sie nun ihren 101. Geburtstag im Marienheim in Schermbeck.

Wer der Jubilarin an diesem Vormittag begegnet, merkt schnell: Die Zahl 101 steht für sie nicht im Mittelpunkt. Viel stärker fallen ihr herzliches Lachen, ihre wachen Reaktionen und ihre Freude über die zahlreichen Glückwünsche auf. Gemeinsam mit ihrer Familie und einem besonderen Gratulanten aus dem Rathaus verbrachte sie ihren Ehrentag.

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„Mir geht’s gut. Und was will ich denn mehr?“, sagt Hedwig Köllner und lächelt. Ein wenig aufgeregt sei sie an diesem Morgen zwar schon. Schließlich stehen Besuche, Glückwünsche und Fotos auf dem Programm. Doch von der Unruhe lässt sie sich die gute Stimmung nicht nehmen. Immer wieder lacht sie, scherzt mit ihrem Sohn Erwin und ihrer Schwiegertochter Rita und verfolgt aufmerksam, was um sie herum geschieht.

Stellvertretender Bürgermeister gratuliert persönlich

Gegen 11 Uhr bekommt die Jubilarin offiziellen Besuch. Der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Stiemer überbringt die Glückwünsche der Gemeinde Schermbeck und zeigt sich beeindruckt von der 101-Jährigen. „101 – niemals“, sagt er mit Blick auf die gut gelaunte Seniorin. Vor allem ihre positive Ausstrahlung fällt ihm sofort auf.

Stiemer ist überzeugt, dass eine optimistische Haltung einen großen Unterschied machen kann. Genau davon bringt Hedwig Köllner an diesem Vormittag reichlich mit. „Ich lache gerne“, sagt sie selbst. Auch auf die Frage, wie es ihr gehe, folgt ohne langes Überlegen eine positive Antwort.

Bei einem gemeinsamen Getränk entwickelt sich schnell ein lebhaftes Gespräch. Es geht um Schermbeck, frühere Bürgermeister, das Älterwerden, Familie und Veränderungen im Ort. Stiemer erzählt aus seinem eigenen Leben und seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit in der Medizintechnik. Zwischendurch wird immer wieder gescherzt. Für die 101-Jährige ist der Besuch sichtbar kein steifer Pflichttermin, sondern eine willkommene Abwechslung.

Ein langes Leben mit vielen Erinnerungen

Hedwig Köllner wurde 1925 geboren und verbrachte einen großen Teil ihres Lebens in Essen-Borbeck. Ihre Jugend fiel in eine Zeit, die von Krieg und Entbehrungen geprägt war. Die Jahre des Zweiten Weltkriegs erlebte sie als junge Frau ganz bewusst mit. Bombenangriffe auf Essen und die Zerstörungen in ihrer unmittelbaren Umgebung gehörten damals zum Alltag. Auch die Familie selbst blieb von den Folgen des Krieges nicht verschont.

Ihr Vater arbeitete im Bergbau und wurde deshalb vom Militärdienst freigestellt, war jedoch im Rettungs- und Hilfsdienst eingesetzt. Besonders die schweren Luftangriffe auf Borbeck hinterließen Spuren. Häuser und Infrastruktur wurden zerstört – Erinnerungen, die auch viele Jahrzehnte später Teil ihrer Lebensgeschichte geblieben sind.

Nach dem Krieg begann für Hedwig Köllner ein neuer Lebensabschnitt. Bei einer Tanzveranstaltung lernte sie ihren späteren Mann Albert kennen, der aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war. Er habe gut singen können, erinnert sich die Familie. Die beiden heirateten, und wenig später kam ihr einziger Sohn Erwin zur Welt.

Familie spielte für Hedwig Köllner seitdem eine zentrale Rolle. Ihr Sohn beschreibt seine Mutter als Frau, für die das gemeinsame Leben immer an erster Stelle stand. Zu Hause wurde musiziert, gefeiert und Zeit miteinander verbracht. Ihr Mann griff gerne zur Gitarre, und auch eine Mundharmonika gehörte bei familiären Zusammenkünften schon einmal dazu.

Diese Jahrzehnte liegen inzwischen weit zurück. Doch wenn Sohn Erwin von früher erzählt, hört seine Mutter aufmerksam zu. Vieles hat sich verändert – ihre Freude an Gesellschaft ist geblieben.

Von Essen über Erle nach Schermbeck

Nach dem Tod ihres Mannes lebte Hedwig Köllner zunächst weiterhin allein. Später zog sie zu ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter nach Erle. Rund sechs Jahre lebte sie dort mit der Familie.

Mit zunehmendem Alter wurde der Alltag im nicht barrierefreien Zuhause jedoch schwieriger. Besonders nachdem sie stärker auf den Rollstuhl angewiesen war, musste die Familie nach einer langfristigen Lösung suchen. Sohn Erwin erinnert sich, dass vieles irgendwann nur noch mit großem Aufwand möglich gewesen sei – etwa beim Duschen oder bei Wegen innerhalb des Hauses.

Das Marienheim kannte Hedwig Köllner zu diesem Zeitpunkt bereits gut. Während Urlaubszeiten ihrer Angehörigen hatte sie dort über mehrere Jahre hinweg immer wieder einige Wochen in der Kurzzeitpflege verbracht.

Als schließlich ein Platz frei wurde, fiel die Entscheidung deshalb leichter. Die Umgebung und einige Menschen im Haus waren ihr bereits vertraut. Heute lebt sie seit rund zwei Jahren im Marienheim und fühlt sich dort wohl.

Familie schaut regelmäßig vorbei

Eine wichtige Rolle spielt weiterhin ihre Familie. Sohn Erwin und Schwiegertochter Rita besuchen sie häufig und kümmern sich um vieles, was im Alltag anfällt. Auch Enkel und inzwischen ein Urenkelkind gehören zur Familie.

Während des Gesprächs zeigen die Angehörigen Fotos und erzählen Geschichten aus früheren Jahren. Man merkt schnell, wie eng das Verhältnis ist. Hedwig Köllner hört aufmerksam zu, mischt sich ein und lässt sich auch das eine oder andere Familienfoto genau zeigen.

Dass ihre Mutter mit 101 Jahren noch so wach und gut gelaunt ist, freut auch Sohn Erwin. Größere Schmerzen habe sie nicht, berichtet er. Zwar könne sie inzwischen nicht mehr selbstständig laufen und sei auf den Rollstuhl angewiesen, doch sie nimmt weiterhin Anteil an dem, was um sie herum passiert.

Hauptsache ein Lächeln

An ihrem Geburtstag selbst scheint Hedwig Köllner vor allem eines zu genießen: dass Menschen zu ihr kommen und Zeit mit ihr verbringen. Besuch mag sie ohnehin gerne. Dazu kommt an diesem Tag eine ganze Reihe von Glückwünschen.

Auch äußerlich legt sie Wert darauf, sich für ihren Ehrentag herauszuputzen. Schmuck gehört für sie dazu – gerne auch mehr als eine Kette. Der Friseurbesuch vor dem Geburtstag durfte ebenfalls nicht fehlen.

Doch am stärksten bleibt ihr Lachen in Erinnerung. Hedwig Köllner wirkt nicht wie jemand, der sich ständig mit der Zahl 101 beschäftigt. Sie nimmt den Tag, wie er kommt, freut sich über Gesellschaft und macht bei beinahe jedem Scherz mit.

„Ich lache gerne“, sagt sie. Vielleicht ist gerade dieser Satz die passendste Beschreibung für die 101-Jährige.

Stiemer jedenfalls hat bereits das nächste Ziel ausgegeben: Er würde gerne noch viele weitere Geburtstage mit ihr feiern. Die Jubilarin reagiert darauf so, wie sie es an diesem Vormittag immer wieder tut – mit einem Lächeln.

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