Gemeinsam sprechen – Zusammen wachsen – Johannes Arntz im Gespräch

Die letzten Tage von Johannes Arntz in der Raesfelder Gemeinde sind gezählt. Die ersten Umzugskartons stehen schon in der Wohnung. Ende August verlässt uns der Pastor und zieht nach Coesfeld. Das war auch der Anlass dazu, Johannes Arntz vor die Kamera zu holen. Ein gelungenes Portrait wie ich finde…mehr dazu auf >>>klick hier Borio.TV

Im Anhang die letzte Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder aus Rhedebrügge, Raesfeld und Erle!

Eben haben wir noch einmal auf Pfingsten zurückgeschaut. Noch einmal haben wir gehört, was in Jerusalem geschehen ist an jenem Tag als aus jüngern Apostel wurden. Der Geist, der in Feuer und Wind daherkam, entzündet und beflügelt die Herzen der Jünger, die so verunsichert gewesen sind ob des Weges der vor ihnen lag. Nach Tod und Auferstehung hatten sie für sich noch keine Perspektive gefunden was sie nun mit der Botschaft Jesu, was sie mit dieser Erfahrung, die Jesus ihnen vermittelt hatte tun sollten. Der Geist zeigt ihnen einen Weg. Er führt sie hinaus auf die Strassen der Stadt, heraus aus dem abgeschlossenen Raum und der Enge ihrer Gruppe. Der Geist führt sie zu Menschen aus allen Völkern und sie verstehen ihren Auftrag: zu verkünden die Lehre Jesu, zu verkünden die Hoffnung und die Zusage Jesus, dass er die Welt begleitet, dass jedes Leben in Gottes Hand geborgen ist im Leben und Sterben.

Die Jünger verkünden und finden alle eine Sprache, die verstanden wird. Sie verkünden dieselbe Botschaft aber in unterschiedlichen Sprachen. Die Jünger sagen den Menschen nicht: lerne mal aramäisch dann kannst du mich auch verstehen, sie werden verstanden in der Sprache des Hörenden. Das ist für mich das Geheimnis von Pfingsten: es gibt ein verstehen in verschieden Sprachen, es gibt einen wichtigen Kern und ein buntes, verschiedenes Drumherum. Und: das erzählt die Apostelgeschichte auch: die Gemeinde wächst an jenem Tag durch Tausende die sich der Lehre Jesu anschlossen. Das heißt auch Pfingsten: es gibt ein Wachsen in Vielfalt.

Wir feiern die erste gemeinsame Hagelfeier von Raesfeld, Erle und Rhedebrügge. Wir sind von den drei Kirchen hier auf den Sportplatz gekommen und feiern Eucharistie, feiern Tod und Auferstehung Jesu. Es gibt Menschen, die meinen: wir müssen alle eine Sprache sprechen. Na das tun wir doch denken Sie jetzt. Wir sprechen doch deutsch. Gilt das auch im übertragenen Sinn? Haben wir als Gemeinden die auf dem Weg sind zu einer zu werden schon eine gemeinsame Sprache? Ich meine: da wird erlerisch gesprochen, da raesfelderisch, da rhedebrüggisch. Und erst einmal ist das gut so. Denn wichtiger als die Sprache ist der Inhalt, die Botschaft, der Kern unseres Lebens. Wie diese Botschaft übersetzt wird, das ist teil der Vielfalt unserer Kirche. Das meint: wir müssen im Kern übereinstimmen und in der Ausdrucksweise unsere Verschiedenheit erhalten. Wir müssen nicht alle Sopran singen in Zukunft, aber in unseren je eigenen Tonlagen aufeinander hören und miteinander singen. Wir müssen nicht alle dieselben Früchte hervorbringen, aber die Früchte der anderen, die können wir als bereichernd und gut annehmen und wertschätzen. Wir müssen nich dieselben Traditionen und Bräuche pflegen, aber wir können die jeweils anderen mitfeiern und sie dadurch stärken. Größtmögliche Eigenständigkeit und sinnvolle Gemeinschaft: so kann es gehen, dass wir vor Ort verstanden werden, dass wir glaubwürdig und begeisternd das Evangelium verkünden. Und darum, nur darum muss es gehen: dass wir die Botschaft Jesu Christi lebendig halten. Da sind wir alle gleich gefordert. Weder in Erle, noch in Raesfeld oder Rhedebrügge gibt es die besseren oder schlechteren Christen: herausgefordert sind wir über all denn hier überall verdunstet der Glaube, hört man auf in die Kirche zu gehen, vergisst man den lieben Gott am Sonntag und im Alltag.

Überall stehen wir wieder am Anfang und können uns gleichsetzen mit dem Mann im Evangelium, der den Samen auf den Acker säte. Wir, liebe Schwestern und Brüder sind aufgefordert so ein Sämann zu sein, also unseren Glaubenssamen auszusäen auf die Äcker unseres Lebens. Wir werden nur ernten können, wenn wir es großzügig aussäen, wenn wir in weitem Bogen den Samen aufbringen. Auch wenn nicht alles groß wird: etwas wird wachsen. Eine gemeinsame Botschaft, also gemeinsam sprechen – zusammen wachsen – das steht auf den kleinen Samentütchen mit bunten Sommerblumen die Sie gleich bekommen: man hat mir versprochen, dass sie noch blühen, wenn Sie in den kommenden Tagen in den Boden gebracht werden. Oder anders: drei Bäume werden wir einpflanzen hier auf dem Sportplatz. Sie stehen für Maria, Silvester und Martin. Sie sollen verdeutlichen, dass wir die eigene Verwurzelung nicht aufgeben müssen ja

dürfen, um uns gemeinsam dem Himmel entgegen zu strecken. Sie sollen sagen, dass wir in unseren Formen und Farben unterschiedlich sein dürfen um doch im Kern dasselbe zu tun: der Welt Sauerstoff zu geben. Sie sollen sagen: wenn wir gemeinsam wachsen, wenn wir zusammen wachsen, dann werden wir einander Halt und Schutz geben, dann werden wir wahrgenommen und werden glaubwürdig Zeugnis geben von der einen Botschaft, dass Gott diese Welt hält, das Leben gelingt, wenn man sich an das Wort Jesu hält, das wir ein Ziel haben in unserem Leben: Das Leben bei Gott.

Säen wir aus, erfreuen wir uns an der Vielfalt, seien wir eins in der Botschaft. Amen.