StartUmwelt und NaturFriedliche Untermieter: Wenn Hornissen am Haus einziehen

Friedliche Untermieter: Wenn Hornissen am Haus einziehen

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Hornissen wirken durch ihre Größe und ihr lautes Brummen zunächst bedrohlich. Auch die Gäste auf der Terrasse eines Wohnhauses in Raesfeld reagierten anfangs besorgt. Die Tiere blieben jedoch trotz der vielen Menschen sowie eines gedeckten Tisches mit Kuchen, Salat und Früchten ausgesprochen ruhig.

Hornissen nutzen Hohlräume in Hauswänden

Europäische Hornissen bauen ihre Nester bevorzugt an geschützten Orten. Neben Baumhöhlen nutzen sie auch Dachböden, Rollladenkästen, Schuppen oder Hohlräume in Hauswänden. Schon eine kleine Öffnung kann ihnen als Einflugloch dienen.

Wer ein Nest entdeckt, sollte den Anflugbereich freihalten, Erschütterungen vermeiden und die Tiere nicht anpusten. Hornissen reagieren vor allem dann unruhig, wenn Menschen im direkten Nestbereich hektische Bewegungen machen oder ihren Flugweg versperren. Ansonsten gelten die Tiere als eher scheu und friedlich.

Nahaufnahme einer Europäischen Hornisse am Eingang ihres Nestes.
Die Europäische Hornisse zeigt sich am Nesteingang aus nächster Nähe.. Foto: Petra Bosse

Kuchen, Salat und Früchte bleiben weitgehend unbeachtet

Während sich einige Wespenarten schnell am gedeckten Tisch einfinden, interessieren sich Europäische Hornissen normalerweise kaum für Kuchen, Salat oder andere Speisen. Bei der Beobachtung am Wohnhaus ließen die Tiere auch die Früchte auf dem Tisch unbeachtet.

Vor allem die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe fliegen süße Speisen, Fleisch und Wurst an. Diese beiden Arten haben wesentlich dazu beigetragen, dass Wespen und Hornissen häufig als lästige Gäste am Kaffeetisch gelten.

Erwachsene Hornissen benötigen dennoch zuckerhaltige Nahrung. Sie nehmen vor allem kohlenhydratreiche Baumsäfte, Blütennektar sowie den Saft reifer oder beschädigter Früchte auf.

Hornissen jagen Wespen, Fliegen und andere Insekten

Für ihre Larven benötigen Hornissen eiweißreiche Nahrung. Deshalb jagen sie Fliegen, Mücken, Bremsen, Raupen, Spinnen und andere Wespen. Auch einzelne Honigbienen können zu ihrer Beute gehören. Die Hornissen zerkleinern die gefangenen Tiere und tragen die eiweißreichen Teile zum Nest, wo sie damit ihre Larven versorgen.

Zwei Hornissen vor einem Nest an der Balkontür
Zwei neue Untermieter an der Balkontür: Die Hornissen blieben auch bei Besuch ruhig.. Foto: Petra Bosse

Dass Hornissen auch Wespen erbeuten, kann sich im direkten Umfeld bemerkbar machen. Der NABU bezeichnet die Europäische Hornisse als guten Wespenjäger und berichtet, dass Menschen in der Nähe eines Hornissenvolkes mitunter einen weitgehend wespenarmen Sommer erleben. Eine Garantie für einen wespenfreien Kaffeetisch gibt es jedoch nicht. Die Zahl der Wespen hängt auch von weiteren Nestern und vom Nahrungsangebot in der Umgebung ab.

Die Hornissen können also durchaus dazu beitragen, dass weniger Wespen in der unmittelbaren Umgebung unterwegs sind. Als gezielte Wespenabwehr lassen sie sich jedoch nicht einsetzen. Für Kuchen, Salat und andere Speisen interessieren sich die großen Insekten selbst meist deutlich weniger als die Gemeine und die Deutsche Wespe.

Europäische Hornissen bedrohen gesunde Bienenvölker nicht grundsätzlich

Europäische Hornissen fangen gelegentlich Honigbienen. Sie jagen jedoch viele verschiedene Insekten und konzentrieren sich nicht ausschließlich auf Bienen. Für gesunde Bienenvölker gelten einzelne jagende Europäische Hornissen deshalb normalerweise nicht als grundsätzliche Bedrohung.

Europäische Hornissen nutzen einen Hohlraum in einer Hauswand als geschützten Nistplatz.
Friedliche Untermieter: Europäische Hornissen haben einen Hohlraum an der Hauswand bezogen.. Foto: Petra Bosse

Anders verhält es sich bei der invasiven Asiatischen Hornisse. Sie jagt häufig gezielt vor Bienenstöcken. Nach Angaben des Umweltbundesamtes können Honigbienen bei dieser Art einen großen Teil der Beute ausmachen.

Die Untermieter bleiben nur eine Saison

Ein Hornissenvolk lebt nur für eine Saison. Im Frühjahr gründet eine überwinterte Jungkönigin ein neues Nest und zieht zunächst die ersten Arbeiterinnen auf. Im Laufe des Sommers wächst das Volk auf einige Hundert Tiere an.

Europäische Hornissenvölker bleiben meist bis etwa Mitte Oktober aktiv. Im Herbst sterben die alte Königin, die Arbeiterinnen und die männlichen Tiere. Nur begattete Jungköniginnen überwintern an geschützten Stellen. Im folgenden Frühjahr gründen sie ein neues Volk. Das verlassene Nest nutzen Hornissen normalerweise nicht erneut.

Die neuen Untermieter bleiben damit nur einige Monate. Lange Gespräche über einen möglichen Auszug dürften kaum nötig sein.

Nest nicht eigenmächtig entfernen

Die Europäische Hornisse gehört in Deutschland zu den besonders geschützten Arten. Bewohner dürfen die Tiere daher nicht fangen, verletzen oder töten. Auch ein bewohntes Nest darf nicht eigenmächtig zerstört, verschlossen oder entfernt werden. Ausnahmen benötigen die vorherige Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde.

Liegt das Nest unmittelbar an einer häufig genutzten Tür oder leben Menschen mit einer Insektengiftallergie im Haus, sollten Betroffene die Untere Naturschutzbehörde oder einen fachkundigen Wespen- und Hornissenberater kontaktieren.

Bis dahin gilt: Abstand halten, ruhig bleiben und den Einflugbereich nicht versperren. Kuchen, Salat und Früchte können in vielen Fällen trotzdem auf dem Tisch bleiben.

Quellen: Naturschutzbund Deutschland, Umweltbundesamt und Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

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