Der Beobachter – Klatsch und Tratsch (22)

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„Reine Zeitverschwendung“ – Neues von DeWo
So war an diesem Freitag eine Notiz in der Borkener Zeitung überschrieben, in der über das Gejammer der örtlichen Sozenfrontfrau ob der Schmierereien auf den Wahlplakaten ihres Vereins berichtet wurde. Zwar hält sie eine Reflexion der „Sozialisation, Bildung, politischer Zugehörigkeit oder des IQs“ eines solchen Wahlplakateverschönerungskünstlers für „reine Zeitverschwendung“, Strafanzeige hat sie jedoch nichtsdestotrotz gestellt.

Unbekannte beschmierten Wahlplakate in Erle an der Schermbecker Straße.

Sehr richtig, denn solcherlei Umgestaltung der Photoshop-geschönten Grinsevisagen unserer Politikerdarsteller, also, sowas geht ja gar nicht.

Überhaupt nicht! Schließlich sind diese Plakate mit ihren Schönheitscremewerbegesichtern ja dazu da, den Leuten bei der Wahlentscheidungsfindung auf’s Allerwirksamste auf die Sprünge zu helfen. Ich meine, wenn überhaupt, dann lasse ich mich in erster Linie von solchen, an jeden zweiten Straßenbaum genagelten Fahndungsphotos leiten, wo ich Mitte Mai mein Kreuzchen zu machen habe.

Und natürlich von den sie begleitenden, schier literaturnobelpreisverdächtigen Parolen.
„#NRWIR“ heißt es da, neben dem Namen des zur Fahndung Ausgeschriebenen. Na, da hat man doch gleich die tiefgründige Erkenntnis, was derjenige, so das geneigte Stimmvieh ihm denn am Wahltag seine Huld schenkt, zum Beispiel gegen den grassierenden Autoklau (so geschehen erst wieder dieser Tage hier in Erle) unternehmen wird. Oder gegen die Wohnungs- und Hauseinbrüche, die mittlerweile schon so alltäglich geworden sind, dass man die Zeitungsmeldungen darüber gar nicht mal mehr zur Kenntnis nimmt.

Mit dem Hakenkreuz und der Zahl 88 beschmierten Unbekannte das Wahlplakat in Erle an der Schermbecker Straße.

Aber ich sage Ihnen: „#NRWIR“, das ist doch mal’n schlüssiges, zielgerichtetes und erfolgversprechendes Konzept. Finden sie nicht? Da steckt Sozialisation dahinter und Bildung und ein IQ, der überhaupt nicht wahr sein darf (bewegt sich knapp zwei Punkte unter dem meiner Restmülltonne).

Tja, und dann kommt so ein alk-seliger Rotzlöffel daher und malt der nordrhein-westfälischen Kraftmaierin ein Adolf-Bärtchen an. Unglaublich sowas, oder? Also, ich war sowas von außer mir, ich war nicht mal mehr empört (oder wie nennt man das, wenn man vor lauter Lachen das Augenwasser nicht mehr halten kann?). Auf jeden Fall ist das ein Fall für die Justiz. Da gebe ich der Genossin Vorstzenden vollkommen Recht. Lebenslang ist ja wohl das mindeste, was hier zu erwarten steht. Wenigstens hätte es sich ja gehört, daß dieser Übeltäter das Bärtchen blond gemalt hätte und nicht schwarz, denn schließlich trägt ja unsere Minipräsi ein superblondes Haarkleid auf der Gedächtnishalle spazieren. Und da paßt ja ein pechschwazer Tropfenfänger unter dem Riechorgan sowas von überhaupt nicht dazu. Eine Frechheit, sowas! Aber echt jetzt.

Andererseits…

…wie schön sehen die Straßen unseres gepflegten Örtchens doch aus ohne diese dämlichen Konterfeis an Bäumen, Masten oder Pfählen, die einen entweder so einfältig angrinsen, dass einem der Frühstückskaffee wieder hochkommt oder die einen solch tiefgründig, nachdenklichen und gramgebeutelten Gesichtsausdruck zum Allerbesten geben, dass einen spontan die Pubertäts-Akne wieder anfliegt. Und wie viele Bäume könnten noch leben, würde man auf diese Plakatierungslandesmeisterschaften ganz einfach verzichten. Darüber sollten besonders die bündnisgrünen Öko-Schamanen vielleicht mal nachdenken. Ich meine, die sind ja ganz gerne schon mal gegen was. Gegen Atomkraft, gegen Autobahnen, gegen Massentourismus, gegen Vorgartengestaltungsindividualisten. Warum also nicht auch gegen Wahlplakate?

Das wär doch mal was. Wir ersparen es der heimischen Fichte, nach ihrem gewaltsamen Ableben eine Re-Inkarnation als Wahlplakat erdulden zu müssen und mit dem Konterfei eines Parteigenossen verunziert zu werden. Die dann eben auch nicht mit Adolf-Bärtchen geschändet werden könnten, womit unserer ohnehin schon arbeitsgebeutelten Justiz überflüssige und sinnfreie Verfahren erspart blieben und den innerparteilichen Wahlplakateunversehrtheitswächterbrigaden ihr Seelenfrieden erhalten werden könnte.

Oder glaubt etwa jemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, ernsthaft, diese total bescheuerten Wahlplakate trügen auch nur einen winzigen Hauch zur politischen Willensbildung bei? Aber doch nicht in diesem Leben, oder?

Ein schönes Wochenende
Und einen tollen Tanz in den Mai
wünscht

DeWo
(der froh ist, wenn dieses Politikerpanoptikum wieder von den Straßen verschwunden ist)

1 KOMMENTAR

  1. Da fällt mir eine besondere Wahlwerbung ein: Pastor Schürmann hat auf einem Wahlsonntag das Hochamt eher beendet mit den Worten: „Damit jeder Zeit hat, vor dem Mittagessen wählen zu gehen und das Kreuz an der richtigen Stelle machen.“ Welche Partei Pastor Schürmann meinte dürfte jedem klar sein. 🙂

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