Alles zu „Risiken und Nebenwirkungen“ –  Neues von DeWo (11)

Gelegentlich sitze ich ja auch mal vor der Glotze. Und noch gelegentlicher habe ich dann die ARD – die „Arbeitsgemeinschaft der Rentnerrundfunksender Deutschlands“ – eingeschaltet. Oder auch das ZDF – das „Zweite Dinosaurier Fernsehen“. Ich bin halt schon ein etwas älteres Semester, da guckt man sowas. Zumal ich ja auch teuer dafür bezahle. Zwangsweise. Denn ohne GEZ geht ja hierzulande garnix. Um Ihre Existenz nachzuweisen, brauchen Sie keine Geburtsurkunde, sondern zwingend eine Gebührenzahlungsquittung der GEZ. Wenn Sie keine haben, existieren Sie auch nicht. Isso! Das wusste schon weiland der alte Cartesius, als er sagte: „Cogito, ergo sum“. Frei übersetzt heißt das: „Ich (an)erkenne (meine Zahlungen an die GEZ), also bin ich“.

Nun sollte man ja annehmen, mit diesen Zwangsbeiträgen seien diese Oldie-Sender finanziell hinreichend ausgestattet, oder? Issnichso. Mit dem, was Ihnen da jeden Monat abgepresst wird, kommen die Blutsauger beim Radio lange nicht aus. Gar nicht dran zu denken, ich bitte Sie, die paar Milliarden im Jahr, und das bei dem Bildungsauftrag! Aber ma ehrlich, jetzt…

Längsgestreiften Fuffziger-Jahre-Schlafanzug

Also sind die Rundfunkerpresser dringend auf Zusatzeinnahmen angewiesen. Werbung, zum Beispiel. Das ist eine Einnahmequelle, die kräftig sprudelt. Ach was, sprudelt… – Strullen tut die, aber volles Rohr. Man kann das oft genug bewundern (so zwei, drei, vier Mal am Abend, mindestens). Während ich zur Abendbrotszeit gerade genüsslich in meine Leberwurstbutter beiße, taucht da auf dem Bildschirm so ein adipöser Glatzkopf in seinem hocherotischen, längsgestreiften Fuffziger-Jahre-Schlafanzug mit höchst ärgerlichem Gesichtsausdruck aus den Pfühlen auf, weil es ihn gerade aus so einem herrlich-feuchten Traum gerissen hat und er jetzt dringend mal pinkeln muss. Dann schaltet er die Schlafzimmer-Festbeleuchtung ein, um nach seinen Schlappen zu fahnden.

Natürlich erwacht daraufhin seine sanft neben ihm schlummernde bessere Hälfte, also seine „Prima Donna“ (Lebendgewicht auch mindestens zwo Zentner plus elf Prozent Mehrwertsteuer), der er sogleich zerknirscht erklärt: „Hach, dieser ständige Harndrang!“. Woraufhin der druckgeplagte Fettwanst dann nach rechts aus dem Bild schlurft, Richtung Lokus. Und während ich vollmundig kaue, wird mir dann ebenso vollmundig erklärt, was man dagegen tun kann. Am Ende kommt, natürlich, was kommen muss: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Aha! Na Mahlzeit!

„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Das ist das meist gesprochene Wort im Deutschen Fernsehen (Noch vor: „Wir schaffen das!“). Ich hab mir das für Spaß mal ausgerechnet: Bei den öffentlich-rechtlichen Seniorensendern steht diese Sentenz am Ende von achtzig Prozent der Werbespots (in Worten: 80%).

Das müssen Sie sich mal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen! – Aber nicht runterschlucken, sonst kriegen Sie Verdauungsbeschwerden, die Sie dann mit einem der 80%-Mittelchen bekämpfen müssen, wiederum mit „Risiken und Nebenwirkungen“. Gar nicht zu reden vom „Jucken im Intimbereich“, gegen das es ebenfalls was Risiko-und-Nebenwirkungen-Behaftetes gibt (wobei, ich hab immer gedacht: Waschen hilft. Issnichso). Über all sowas werde ich jedenfalls während des Abendessens belehrt.

Grüne Schleimmonster

Und auch, was es mit den höchst lebensbedrohlichen, „Grünen Schleimmonstern“ auf sich hat, Ihren „Risiken und Nebenwirkungen“ und der Abhilfe, die man sich mittels eines Mittelchens vermitteln kann, das natürlich… – Sie ahnen es schon, … mit sich bringt.

Erwachsenen Leuten, die sich (in der Regel) im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten befinden, will man also ernsthaft was von „Grünen Schleimmonstern“ erzählen! Ja, sagt mal, Ihr Marketing-Kretinos, geht’s noch? Für wie bescheuert haltet Ihr die Leute eigentlich??? Ich stelle mir gerade vor, ich erzähle meinem Hausarzt in der Erler Gemeinschaftspraxis ernsthaft was von „Grünen Schleimmonstern“, die mich plagen. Ja, der verschreibt mir doch kein Mittel gegen Bronchialkatarrh, sondern überreicht mir eher kopfschüttelnd einen Einweisungsschein für die Klapse, oder?

Mein Husten hat allerdings eine ganz natürliche Ursache. Um der allenthalben mit Risiken und Nebenwirkungen belasteten, stark feinstaubhaltigen Atemluft zu entgehen, ziehe ich es vor, die Luft vor dem Einatmen zu filtern. Gut, dass vor dem Luftfilter jetzt noch ‘ne Fluppe montiert ist, das lassen wir im Moment mal außen vor. Jedenfalls entgehe ich so der kraftfahrzeugbedingten Verseuchung durch NOx und SO2. Weil, die haben ja auch Risik… – Sie kennen das schon, gelle?

Erwachsenenerziehungsberechtigte Politikerschauspieler

Aber als ich mir kürzlich mal wieder eine Schachtel Luftfilter kaufte, da war ich echt schockiert. Da sind nämlich seit neuestem Schockbilder drauf. Aber echt, jetzt!

Weil die erwachsenenerziehungsberechtigten Politikerschauspieler unbedingt darauf bestehen, mit solchen Albernheiten einen „pädagogischen Effekt“ erzielen zu wollen. Jedenfalls, dasjenige Schockbild, das ich darauf vorfand, war wirklich unglaublich schockierend. Es zeigte eine in einem Aschenbecher glosende Fluppe, mit der Unterschrift: „Rauchen gefährdet Ihre Potenz“. Der lebensechte Wahnsinn! Meine Potenz ist gefährdet!!! – Na gut, mit paar-‘n-Sechzig und zwei Enkelkindern hat sich das mit der Potenznotwendigkeit möglicherweise schon erledigt, aber trotzdem: Ich war schockiert. In den Grundfesten meines Daseins erschüttert! Weil, jetzt hab ich die Wahl zwischen Teufel und Belzebub, entweder Potenz oder… Hab ich mich gegen die Potenz entschieden. Man kann eben nicht alles haben. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Ich huste ihnen was

Ich jedenfalls pfeife auf die ganzen „Risiken und Nebenwirkungen“. Besser gesagt, ich huste ihnen was. Naja… Denn im Prinzip ist ja das Leben dermaßen gefährlich, dass es noch keiner überlebt hat (von einer Ausnahme mal abgesehen, von der heute aber kaum einer noch was wissen will). Umso mehr, wenn man all die quasi-gesundheitsfördernden Mittelchen frisst oder sie sich auf den Pelz schmiert, die einem die Pharmaindustrie so zum Abendbrotsnachtisch anpreist.

In diesem Sinne gönne ich Ihnen allen ein fröhliches, Risiko- und nebenwirkungsfreies Wochenende. Wie Sie das ohne Risiken und Nebenwirkungen hinkriegen, dazu fragen Sie vielleicht mal Ihren Arzt oder Apotheker.

Also, nichts für ungut.
F F P X
(Fiel Ferknüg‘n & Pleim’se Xsund)

wünscht

DeWo
(dessen Motto es ist: „Panta Rei“
frei übersetzt mit:
„Et ess, wie et ess,
et kütt, wie et kütt,
on et hätt no emmer jotjejange“)

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