Der Beoachter – Klatsch und Tratsch

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Fastenzeit „in der Sprache”
Einen bemerkenswerten Artikel fand ich in der vergangenen Woche im „Heimatreport“. Da erging sich eine der Politikerin des nordrhein-westfälischen Landtags in einem Appell zur Mäßigung im Gebrauch der Sprache. „Es wird rauer oder besser: roher im Wort, in der Sprache“, sagte sie. Und weiter: „Die Stimmung in unserem Land hat sich verändert. Wir beobachten eine zunehmende Verrohung von Kommunikationsformen…“ Und daher: „Die Fastenzeit kann auch ein Beginn des Fastens in der Sprache sein.“

Aha!

Kann. Muss aber nicht. Fastenzeit oder nicht, ganz im Gegenteil sollte eine Renaissance der Deutlichkeit, Bestimmtheit und der Präzision im Umgang mit der Sprache stattfinden. Denn das, was wir heute – gerade und insbesondere bei Politikerdarstellern und anderen, von der „Political Correctness“ indoktrinierten Zeitgenossen Tag für Tag in den Medien insgesamt vorfinden, ist nicht nur eine „Fastenzeit“ der Sprache, es ist vielmehr schon als Magersucht zu bezeichnen. Von Deutlichkeit im Ausdruck (ganz zu schweigen von grammatikalischer oder gar orthographischer Richtigkeit) ist da nichts mehr zu hören oder zu lesen (nicht zuletzt dank der vollkommen bescheuerten „Rechtschreibreform“, die als eine Klarstellung der deutschen Sprache angekündigt war, jedoch nicht zuletzt nur einer weiteren Verdummung Vorschub leistete). Es wird herumgeeiert, wie die Katze um den heißen Brei herumschleicht, damit nur ja keiner sich auch nur irgendwie und im entferntesten eventuell auf den Schlips getreten fühlen könnte. Insbesondere soweit es eine der sogenannten und immer zahlreicher werdenden „Minderheiten“ auch nur im Entferntesten tangieren könnte.
In meiner Jugend habe ich gerne mal einen „Mohrenkopf“ genascht.

Lecker! Finde ich heute auch noch, nur leider krieg ich keinen mehr. Mohrenköppe gibt’s nicht mehr.
Die heißen heute „Schaumküsse“. Nicht etwa, weil sich das, was sich unter der Schokoladenhülle verbirgt, von einem der Chemiegiganten per Tanklastzug geliefert wird und es die Feuerwehr ebensogut zur Brandbekämpfung verwenden könnte. Nein, es ist der „Mohr“ beim Mohrenkopf, synonym: Negerkuss, was genauso anrüchig ist und den politisch Korrekten á tempo zu einem mittleren Herzanfall verhilft. Neger, mein Gott, Neger, wie kann man nur?! Dabei leitet sich der Begriff vom lateinischen „nigra“ ab, was gemeinhin mit ‚schwarz“ übersetzt wird. Und, naja, so’n klassischer „Negerkuss“ is ja numa schwarz, oder? Ebenso wie die Hautfarbe vieler Menschen des afrikanischen Kontinents, die sich ihre Tapete genauso wenig ausgesucht haben wie ich, der ich ein „Weißer“ bin. Fühle ich mich deshalb „diskriminiert“? – Nee, isso, kann ich nicht ändern, und damit basta.

Aber das darf ich nicht sagen. Ebensowenig wie „Student“. Denn, du liebe Güte, „DER Student“ ist ja männlich! – Also vom Artikel zum Substantiv her ist er das, von der Person nicht notwendigerweise, denn jeder weiß: Es gibt ja auch weibliche Menschen (…aaah! Schon wieder: DER Mensch ist ja AUCH männlich, sowas Blödes aber auch. Also sagen wir: Menschinnen), die an Hochschulen studieren. Demnach sind Studenten in politisch-korrekter Rede- und Schreibweise „Studierende“ zu nennen. Was ein Blödsinn ist, denn „studierend“ beschreibt einen Zustand, und das tun die so Bezeichneten garantiert nicht unablässig. Gelegentlich müssen sie auch mal aufs Klo. Und da studieren sie GA-RAN-TIERT nicht. Wetten? – Also, was soll der Quatsch?

Soviel zum einen Aspekt im Umgang mit der Sprache.

Ein anderer Blickwinkel eröffnet sich aufgrund der Tatsache, dass vielen Zeitgenossen, dank der unablässigen „Reformbemühungen“ im deutschen Schulwesen der feinsinnige Umgang mit der politisch-korrekten Lesart der deutschen Sprache überhaupt nicht erschließen KANN. Sowas müsste man nämlich lernen. LERNEN, verstehen Sie? Pauken, bimsen, nannte man das mal. So wie: „Dieses Wort schreibt man so und so, hier kommt ein Komma hin und hier keins, und wer „brauchen“ ohne „zu“ gebraucht, braucht „brauchen“ gar nicht zu gebrauchen.“
„Aber, ej, Alta, ej, du weiss doch, wat ich an meinen bin, oda?“ Ist das derzeit beliebteste Gegenargument. Und da wundert sich jemand über die „Verrohung“ im Sprachgebrauch? Ernsthaft jetzt?

Da ging vor einiger Zeit – es stand groß in den Medien – ein Elf- oder Zwölfjähriger seine Lehrerin an mit der Frage: „Na, alles fit im Schritt?“ Resultat: Empörung bei der Lehrerin, lautes Gelächter bei den Schulkameraden. Konsequenz: Keine. Und da wundert sich die Frau Landtagsabgeordnete über die „Verrohung von Kommunikationsformen“?

Zu meiner Zeit hätte mir die Frau Lehrerin ganz locker aus dem Handgelenk dermaßen eine gescheuert, daß meine Birne, zumindest für den Rest des Tages, schief in den Angeln gehangen hätte, wenn nicht meine Eltern, nach dem Umstand fragend und mit den Geschehnissen konfrontiert, sie mir durch einen wuchtigen Schlag auf die Gegenseite wieder in die aufrechte Position gerückt hätten. Resultat: Lektion gelernt. Konsequenz: Hüte dein loses Maul, alter Freund! (Denn so ‘ne anständige Backpfeife hat irgendwie was Richtungweisendes, allemal für’n vorlauten, zwölfjährigen Rotzlöffel.)
Aber heute kommen schon die Blagen mit sowas durch. Easy! Es wird zwar viel von der Konsequenz nach der „Förderung der sozialen Kompetenz“ gefaselt, nur beigebracht kriegt sie keiner (mehr). In Ermangelung der notwendigen Sanktionen im Verweigerungsfall. Da brauche ich nur mal einen Lehrer zu fragen, der erzählt mir stante pede diesbezüglich die dollsten Geschichten. Versuche der Disziplinierung seitens der Lehrer enden seitens der hoffnungsfrohen Eleven bestenfalls mit: „Ej, Alta, isch mach disch platt, Du Opfa!“

Und da schwadroniert die Frau Landtagsabgeordnete was von „Fasten in der Sprache“? – Geh schön spielen, Mädel!

„Politiker müssen lauter sein als die laute Welt.“ – Gut gebrüllt, Löwin, aber dennoch falsch. Müssen sie nicht. Sie müssen nur etwas Substanzielles zu sagen haben, dann zu dem, was sie gesagt haben, auch stehen und danach entsprechend handeln. Das kann durchaus auch leise geschehen. Wenn es denn geschieht. Das tut es aber nicht. Mit viel Lärm (und Medienwirksamkeit) verkünden sie heute das, was sie morgen wieder einkassieren. Mit ebensoviel Lärm und in concerto (furioso con moto) mit dem verbalen Eindreschen auf den politischen Gegner. Und dann wundern sie sich, wenn sie die entsprechenden Reaktionen erfahren?? – Also, ich nicht.

Schönes Wochenende
wünscht

DeWo
(voll beseelt mit Sprachfastengedanken – und amüsiert…)

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