Der Tisch und die drei Stühle, die um ihn herumstehen, sind aus Eisen. Weiß angestrichen, stammen sie aus der „Art-Deco“-Epoche.

Schöne Momente im Garten bei Hinzelmann von Detlef Wolf

Ebenso die Liege, die ein wenig abseits davon aufgestellt ist. Unter einem schön gewachsenen Baum neben einem runden Blumenbeet, das zur Gänze mit weißen Blüten bedeckt ist.

Besonders bequem sehen diese alten Gartenmöbel nicht aus. Dekorativ schon, aber gemütlich? Naja, wenn man dicke Polster auflegt, dann geht’s vielleicht schon. Allerdings, so kleine Polster, die gibt’s ja gar nicht. Denn wenn man einen Schritt zurücktritt, dann sieht man das ganze Ensemble sich in einem Blumentopf befinden. Der Baum ist ein Bonsai, das üppige Blumenbeet besteht aus einer einzigen Blüte, die in einem Tonschälchen liegt, und die Gartenmöbel sind Miniaturen. Sehr hübsch und liebevoll arrangiert.

Wenn man dann den Blick schweifen läßt, dann sieht man, daß diese Attribute auf die gesamte Umgebung zutreffen, in der sich dieses winzige Blumentopfgärtchen befindet.
„Ooch, guck ma hier…!“ ist von überall her zu vernehmen, aus dem Munde der zahlreichen Besucher, welche der Einladung zum „Gartenfest 2018“ nachgekommen sind.

Hinzelmanns Garten

Wir sind in Hinzelmanns Garten, am Dreckerhook, etwas außerhalb von Raesfeld, am frühen Abend des 28. September. Der heilige Petrus hat den am Morgen noch wolkenverhangenen Himmel freigefegt und die Sonne eingeschaltet, die den Garten in das weiche Licht eines vergehenden Herbsttages taucht.
Obwohl, was heißt hier eigentlich Garten? – Ein Park ist das ja schon fast. Einen Garten, so wie man ihn als Reihen- oder Doppelhaushälftenbesitzer für gewöhnlich so sein eigen nennt, kann man das nicht nennen.

Richtig verlaufen kann man sich da drinnen. Macht aber nix, denn überall gibt es solche verwunschenen Ecken mit richtigen, großen Tischen und Stühlen oder auch Liegen, wo man sich ausruhen kann. Um die Blütenpracht ringsum zu bewundern oder auch die zahlreichen Obstbäume, die immer noch vollhängen mit knallroten Äpfeln, grünen Birnen und gelben Quitten.
Da wird es noch allerhand zu ernten geben in den nächsten Tagen und Wochen. Zusätzlich zu den übervollen Körben mit Obst und Tomaten, Kastanien und Nüssen, die sich unter einem großen Holzschild mit der Aufschrift: „Erntedank“ finden ließen.

Dürre dieses Sommers

So wie man überhaupt allerhand entdecken kann, wenn man sich so umsieht, in Hinzelmanns Garten. Blumen, Büsche und Bäume zuvorderst, natürlich auf einem Rasen, der so grün und so satt und so fett ist, daß man ihm den extrem trockenen Sommer gar nicht ansieht. Dem Kiwibaum allerdings schon, aber dem hatte die Dürre dieses Sommers nun auch nichts mehr ausgemacht, nachdem er im völlig verregneten Sommer des letzten Jahres ertrunken war. Mehr als fünftausend Früchte hatte er einst in einer Saison getragen, jetzt hängt keine einzige mehr daran. Aber ein wenig Grün zeigt sich dennoch. Vielleicht erholt er sich ja wieder…

Beleuchtet von Kerzen

Dann wird’s dämmrig, und Petrus sammelt seine Sonne wieder ein. Stattdessen wird nun alles beleuchtet von Kerzen, kleinen Feuern und auch von Lämpchen, die man in die Bäume, unter die Sträucher oder zwischen die Blumen gestellt hat. Sogar das Wasser eines schmalen Bächleins, das zwischen den Steinen eines kleinen Hügels am Gartenrand entspringt und das sich dann durch den ganzen Garten schlängelt, erstrahlt in einem bunten Licht. Damit keiner aus Versehen reintritt und sich nasse Füße holt.

Das ist dann der Auftakt zur zweiten Runde von: „Ooch, guck ma hier…“

Und als alle dann „ma hier“ geguckt hatten und die Augen vom vielen Gucken schon ganz trunken waren, konnte man der dabei trocken gewordenen Kehle auch noch was zum Trinken geben. Wein gab’s, unter anderem, allerdings nicht den aus der „Winzerei Hinzelmann“. Der hing noch an den Weinranken. Da konnte man allenfalls im Vorbeigehen ein Träubchen naschen. Und diejenigen, die sich von dem ausgelegten Hopfenblüten angeregt fühlten, bekamen auch ein Bier. Einen Hopfenblütentee, sozusagen. Und damit man weder diesen noch den Wein so ganz trocken runterwürgen mußte, wurde dazu auch noch ein delikates, indisches Schweinefleischallerlei in pikanter Sauce gereicht (auch bekannt als „Currywurst“). Oder eine Suppe oder ein Pizzabrot oder sonst noch was.
Zu darben brauchte jedenfalls niemand in Hinzelmanns Garten. Alle Sinne wurden bedient.

Und wozu das alles?

Naja, zuvorderst mal, damit die Leute sich erfreuen konnten an diesem wunderschönen Stück Natur, das die Hinzelmanns in ihrem Garten pflegen. Und dann auch noch für einen guten Zweck. Denn sowohl der kleine Obulus, den man für den Eintritt in diesen Zaubergarten entrichten mußte um sein Gemüt zu erfreuen als auch der Ertrag aus dem Verkauf der Speisen und Getränke, mit dem man den Rest seiner selbst laben konnte, gehen samt und sonders an den „Hospizverein zum Regenbogen e.V.“, der sich zur Aufgabe gemacht hat, in Selm/Bork ein Hospiz zu bauen, in dem alte und totkranke Menschen ihre letzten Tage so angenehm wie nur möglich verbringen sollen.

„In den letzten Jahren haben wir für die neue Orgel von St. Martin gesammelt“, meinte Frau Hinzelmann auf Nachfrage. „Aber die hat jetzt erstmal genug abgekriegt. Diesmal sollte es um eine andere, gute Sache gehen.“

Im nächsten Jahr wird es leider kein herbstliches Lichterfest bei Hinzelmanns geben. Zuerst müßten die Schäden von Dürre und Flut, die die Sommer dieses und des letzten Jahres angerichtet haben, vollständig beseitigt werden, so sagte sie. Aber im übernächsten Jahr soll dann alles wieder in Ordnung sein. Vielleicht trägt ja auch der Kiwibaum bis dahin wieder Früchte. Man wird sehen.

Detlef-Wolf-Glosse-

Ich freu mich jedenfalls schon drauf.
Schönes Wochenende
Wünscht

DeWo

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