Maßnahmen zur Innenentwicklung an der Dechant-Karthaus- und der Lammersmannstraße in Erle bereiten der Nachbarschaft Sorgen

Gegen den Bebauungsplan ER2 „Im Erbgrund“ und seiner Änderung vom 02.12.2020 als Neuaufstellung regt sich Widerstand bei der Nachbarschaft der Dechant-Karthaus Straße in Erle.

Mit Sorgen sehen die Anwohner die derzeitige Entwicklung ihrer Einfamilienhaus-Siedlung entgegen.

Laut Bebauungsplan, der Entwurf liegt noch bis zum 4. März im Rathaus aus, können Maßnahmen zur Innenentwicklung, Bebauung unbebauter Flächen, auf insgesamt sieben Grundstücken im Bereich des Durchgangsweges zur Ginsterstraße durchgeführt werden.

Dominante Gebäude durch Investoren

Die Sorge ist dahingehend groß, dass auf den überbaubaren Flächen viel zu große und dominante Gebäude durch Investoren entstehen, wodurch sich der Charakter der lang bestehenden Siedlung verändern würde. Das könne laut Boris Houdornik bedeuten, dass auf diesen Grundstücken am Stichweg je vier Wohneinheiten entstehen könnten. „Es kann nicht im Sinne der Gemeinde sein, die Bürger gegen sich aufzubringen. „Es sollte das Ziel sein und weiterhin bleiben, eine familienfreundliche Gemeinde zu sein und nicht den Charakter einer anonymen Schlafstadt zu erlangen, was aber immer mehr geschieht“.

Boris-Houdornik-Erle
Boris Houdornik hat Bedenken gegen die Bebauungspläne der Gemeinde Raesfeld. Foto: Petra Bosse

Wertverlust

Gleichzeitig sehen die Anwohner durch eine zukünftige große Bebauung einen hohen Wertverlust ihrer bestehenden Immobilie. Viele Familie, wie Houdornik, haben sich hier ein Haus gekauft, mit freiem Blick und auseinanderliegenden Gärten. Dieser drohe durch die vorliegende Änderung verloren zu gehen.

„Ich bin vor zehn Jahren hier aufs Land gezogen, um genau diese Situation zu haben. Wenn jetzt alles zugebaut wird, und auch die Sicherheit unserer Kinder dadurch nicht mehr gegeben ist, hätte ich auch in Gladbeck wohnen bleiben können“, resümiert der dreifache Familienvater.

Parksituation

Mit Blick auf das damit verbundene Verkehrsaufkommen, sei die Straße und der viereinhalb Meter breite Durchgangsweg laut Anwohner nicht ausgelegt. Besonders was die Parksituation in diesem Bereich anbelange, sei diese schon jetzt katastrophal und die Nachverdichtung hätte ein vielfaches Verkehrsaufkommen zur Folge. Houdornik bilanziert: „Pro Stichweg der Straße bei sieben Grundstücken mit je vier Wohnbebauungen, was machbar ist, hieße das, dass bei statistisch festgestellten zwei PKW’s pro Familie 56 Autos pro Stichstraße hinzukommen. Darauf ist der Weg nicht ausgerichtet“.

Ähnlich sehe die Situation an der Lammersmann Straße sowie in Teilen des Friedholt und des Holten aus. Auch hier wäre ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zu befürchten und nicht zu bewältigen. Die Gehwege seien jetzt schon derart zugeparkt, dass es kaum ein Durchkommen mit einem normalen PKW gebe, erklärt Houdornik. „Besonders abends sind alle Gehwege zugeparkt. Kinder mit Fahrzeugen, Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer müssen auf die Straße ausweichen“.

Nachbarschaft-Dechant-karthausstr-Erle
Die Nachbarschaft der Dechant-Karthaus Straße ist sich einig: Kein Platz für PKW`s an dem Verbindungsweg zur Ginsterstraße.

Städtebaulich nicht verträglich

Eine Innenverdichtung findet der 2. Sprecher der Grünen Houdornik grundsätzlich sinnvoll. „Jedoch im erträglichen Maße. Die Bürger sollten adäquat aufgeklärt und beim Prozess mitgenommen werden. Diese ist jedoch nicht maßvoll und städtebaulich nicht verträglich“.

Ein weiterer Kritikpunkt durch eine Bebauung sei, dass bei einer vorgesehenen Versiegelung von rund 20.000 qm der Grünflächen nicht genügend Rechnung getragen werde. Nach Meinung der Anwohner werde auch die Zerstücklung der Gärten in handtuchgroße, von hohen Zäunen umgebenen Zellen nicht genügend berücksichtigt. Solche Parzellierungen würden das Gesamtbild der Einfamilien-Haus-Siedlung zerstören.

Eingriff in die Natur

Boris Houdornik: „Das ist ein erheblicher Eingriff in die Natur, zumal keine Ausgleichsflächen geschaffen werden“. Angst haben die Anlieger auch um den Wert ihrer Grundstücke, wenn aus der Einfamilien- eine Mehrfamilienhaus-Siedlung wird. „Wenn das so eintrifft, dann stehe ich demnächst in meinem Garten und schaue auf eine große Mauer“, sagt Franz Jäger. Er befürchte auch, dass die Stichstraße zukünftig eine Durchfahrtsstraße wird. „Für die Verdichtungsmaßnahmen sollten zukünftig sehr große Grundstücke von der Gemeinde aufgekauft werden und mit Doppelhäuser bebaut oder entsprechende erweitert werden, die je zwei Familien zum Eigenheim vorbehalten sind“, schlägt Gabriele Windbracke vor.

Bebauungsplan-Erbgrund-Dechant-karthaus-Strasse-Erle
Der Entwurf liegt noch bis zum 4. März im Rathaus aus. Plan: Gemeinde Raesfeld

Drei Bauanfragen für Einfamilienhäuser

Auf Nachfrage zum aktuellen Stand bei Bauamtsleiter Bernd Roters erklärt dieser, dass es bis zum heutigen Zeitpunkt drei Bauanfragen gebe. Diese beziehen sich jedoch auf Einfamilienhäuser.

Im Baugebiet Erbgrund/Dechant-Karthaus Straße sollen mit dem Bebauungsplan Gebäude ersetzt werden, die teilweise aus den 50ziger und 60ziger Jahren stammen, fügt Roters an, der allerdings die Sorgen, was die Größe der Gebäude anbelangt, verstehen könne.

Fakt sei jedoch, dass die Gemeinde mit Bezug auf die Grundstückgröße genau das verhindern möchte. „Für zwei Wohneinheiten sind 390 Quadratmeter erforderlich. Weitere 390 Quadratmeter sind für eine dritte Wohneinheit nötig. Deshalb ist so ein Gebäude auf diesen Grundstückflächen kaum realisierbar“, fügt Roters hinzu. Darüber hinaus lassen die engen Straße eine weitere Verdichtung nicht zu.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here