Dr. Kai Schmidt, Chefarzt des St.-Vinzenz-Hospitals in Rhede, referierte im Borkener Kreishaus
Kreis Borken (pd). Geritzte Unterarme, heftige Stimmungswechsel innerhalb kurzer Zeit und Beziehungsstörungen: Das können Anzeichen für eine Borderline-Störung sein. Wie sie damit umgehen können, darüber haben sich jetzt rund 160 Fachleute aus dem Kreis Borken informiert. Sie arbeiten in den Mitgliedsinstitutionen des Gemeindepsychiatrischen Verbundes des Kreises Borken. Diesem gehören unter anderem Psychosoziale Beratungsstellen, berufliche und medizinische Rehaeinrichtungen für psychisch erkrankte Menschen, Krankenhäuser und niedergelassene Fachärzte an. Der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreis Borken hatte zu der Veranstaltung ins Kreishaus eingeladen.
Dr. Kai Schmidt, Chefarzt des St.-Vinzenz-Hospitals in Rhede, erläuterte, wie die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ verläuft. Patienten seien von einem gestörten Selbstbild und starkem Stimmungswechsel geprägt. Sie hätten häufig große Angst, von Partner oder Partnerin verlassen zu werden. Auch Wahnvorstellungen und Halluzinationen, das Gefühl von innerer Leere sowie suizidales Verhalten seien nicht unüblich. Insgesamt neigten die Patienten zu selbstzerstörerischem Verhalten und nähmen nicht selten unkalkulierbare Risiken in Kauf. Der Drang zu unkontrollierten Geldausgaben und Sex mit häufig wechselnden Partnern sei groß, ebenso wie auch der Drang, die innere seelische Anspannung mittels selbst zugefügter Verletzungen wieder los zu werden. Dabei griffen die Betroffenen häufig zu Glasscherben, Messern und Zigaretten.
Schmidt plädierte für eine gute fachärztliche und psychotherapeutische Betreuung und Versorgung der Betroffenen. Bei erfolgreicher Therapie wiesen nach sechs Jahren noch 25 Prozent der Patienten Merkmale einer Borderline-Störung auf, nach zehn Jahren zeigten noch sechs Prozent der Betroffenen Anzeichen dieses Leidens. Ein allgemeines Patentrezept für Borderline-Erkrankte gebe es jedoch nicht. Jeder Patient müsse individuell behandelt werden. Für den Erfolg der Therapie seien Ausdauer und Durchhaltevermögen wichtige Grundvoraussetzungen. Leider neigten aber viele Patienten aufgrund ihrer Stimmungsschwankungen schnell dazu, Therapeuten zu wechseln und Therapien abzubrechen.
Zweimal im Jahr lädt der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreises Borken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institutionen des Gemeindepsychiatrischen Verbundes zu Fortbildungen ein. Damit unterstützt er unter anderem das gemeinsame Ziel, die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen sowie suchtkranken Menschen zu verbessern, ihre Lebensqualität zu erhöhen und Angehörige wirksam zu unterstützen. Er engagiert sich dafür, die Angebote der vorhandenen Einrichtungen und Hilfen so zu vernetzen, dass eine optimale Versorgung für den einzelnen Betroffenen erreicht wird. Weitere Informationen zum Sozialpsychiatrischen Dienst sowie zum Gemeindepsychiatrischen Verbund gibt es im Internet unter www.kreis-borken.de/presselinks.



























