Wer wohnt eigentlich noch alles in Erle? Beim ersten „Café Miteinander“ am Dienstag (20. Oktober) im Familienzentrum St. Silvester gab es Gelegenheit, genau das herauszufinden. Menschen mit und ohne Migrationshintergrund kamen miteinander ins Gespräch, darunter auch einige, die sich bereits aus dem Dorf oder über die Kindergärten kannten. Künftig soll das Café regelmäßig stattfinden.
Organisatorinnen gingen persönlich von Tür zu Tür
Die Idee für einen gemeinsamen Treffpunkt hatte Petra Andresen, Leiterin des Familienzentrums St. Silvester, schon länger im Kopf. Gemeinsam mit der Kita St. Nikolaus und der interkulturellen Beraterin Jasmin Böcek-Schlecking setzte sie das Vorhaben nun um. Böcek-Schlecking kennt die Einrichtung aus ihrer Zeit als Kindergartenmutter. Inzwischen arbeitet sie selbstständig als interkulturelle Beraterin.
Damit möglichst viele Familien von dem Angebot erfahren, besuchten die Organisatorinnen sie persönlich in ihren Unterkünften und Wohnungen. „Wir sind wirklich Klinken putzen gegangen, von Unterkunft zu Unterkunft, haben die Familien zu Hause besucht und haben die eingeladen persönlich“, erzählt Andresen.
Dass gleich beim ersten Treffen zahlreiche Besucher kamen, freute sie besonders. „Ich freue mich riesig, dass das so angenommen worden ist.“

Nicht nur für Eltern mit Kindergartenkindern
Das Café Miteinander steht allen Menschen aus Erle und Umgebung offen. Ob jemand schon lange im Dorf lebt oder erst vor Kurzem zugezogen ist, spielt dabei keine Rolle.
Jasmin Böcek-Schlecking, die als interkulturelle Beraterin arbeitet und das Projekt mit auf den Weg gebracht hat, erklärt die Idee: „Wir nennen es Café Miteinander.“ Das Angebot sei für Menschen gedacht, die schon lange im Ort lebten und neue Bekanntschaften suchten, aber auch für Zugewanderte, die sich in Erle noch nicht so gut auskennen.
Dabei gehe es nicht allein um Familien mit Kindergartenkindern. „Wir versuchen, ein Netzwerk aufzubauen, um sie hier in Erle willkommen zu heißen“, erklärt Böcek-Schlecking. Gerade Menschen, die neu im Ort sind, sollen so leichter Kontakte knüpfen. Gleichzeitig können auch langjährige Einwohner neue Nachbarn kennenlernen.

Rita Schierenberg spielt mit ihren Nachbarn Rommé
Die Erlerin Rita Schierenberg weiß, wie gut Nachbarschaft funktionieren kann. In ihrem Haus wohnt eine pakistanische Familie mit vier Kindern. Der Vater lebt nach ihren Angaben seit acht Jahren in Deutschland und hält sich derzeit in Pakistan auf. „Wir kommen prima miteinander aus“, erzählt Schierenberg.
Wenn die Familie etwas vom Essen übrig hat, bringt sie ihr davon vorbei. Auch beim Rasenmähen und Laubfegen helfen die Nachbarn. Und zwischendurch spielen sie gemeinsam Rommé. „Ich genieße das“, sagt Schierenberg. Auch das neue Café gefällt ihr. „Das finde ich super“, sagt sie. Hier könne man erfahren, wer sonst noch in Erle wohne, und neue Bekanntschaften schließen.

Manche Kindergartenkinder sind inzwischen selbst Eltern
Mechthild Westerkamp, Leiterin der Kita St. Nikolaus, kennt viele Familien mit Migrationshintergrund schon seit Jahren. Bereits lange vor 2015 betreute sie Kinder aus zugewanderten Familien, die damals teilweise in einer Gemeinschaftsunterkunft lebten. Inzwischen kommen auch Kinder ehemaliger Kindergartenkinder in ihre Einrichtung.
Beim ersten Café Miteinander entdeckte Westerkamp deshalb einige bekannte Gesichter. Manche kennt sie noch aus ihrer Kindergartenzeit, andere arbeiten inzwischen selbst in der Einrichtung. „Ich finde dieses Projekt an sich gut“, sagt Westerkamp. Sie hofft, dass sich die Menschen durch solche Treffen besser kennenlernen und miteinander vernetzen.
Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund liegt in der Kita St. Nikolaus nach ihrer Schätzung derzeit bei rund acht Prozent. Die Zusammenarbeit mit den Familien funktioniere gut. Auch die Verständigung sei durch digitale Übersetzungshilfen wie Google Übersetzer inzwischen einfacher geworden. Ab November absolviert außerdem eine Frau im zweiten Jahr ihrer Kinderpflegerinnen-Ausbildung ein Praktikum in der Einrichtung.
„Das Gute ist eben das kleine Dorf“
Petra Andresen sieht in der Größe des Dorfes einen Vorteil. „Ich glaube, das Gute ist eben das kleine Dorf, jeder kennt jeden“, sagt sie. Im Familienzentrum St. Silvester werden derzeit drei Kinder mit Migrationshintergrund betreut. Über den Kindergarten lernen sich auch die Eltern kennen. Sie tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig und schließen Freundschaften.
Eine Mutter mit Migrationshintergrund, deren Kind die Einrichtung besucht, absolviert derzeit eine Ausbildung zur Kinderpflegerin. Ihren Praktikumsplatz hat sie innerhalb des Kita-Verbundes gefunden.
Weitere Treffen in beiden Kindergärten geplant
Das Café Miteinander soll künftig einmal im Monat stattfinden, abwechselnd im Familienzentrum St. Silvester und in der Kita St. Nikolaus. Die genauen Termine stehen noch nicht fest. Eingeladen sind alle Menschen aus Erle und Umgebung, unabhängig von Alter, Herkunft oder familiärer Situation.

























