Vier verschiedene Namen, aber dahinter steckt nur ein einziger Raesfelder. Solche Überraschungen erlebten die Familienforscher bei ihrer jahrelangen Recherche immer wieder. Was sie dabei über die Familien in Raesfeld herausfanden, steht jetzt in zwei umfangreichen Bänden, die der Heimatverein am Donnerstag (8. Oktober 2026) im Ratssaal des Rathauses vorstellte.
Rund 20.000 Personendaten auf insgesamt 1.500 Seiten dokumentieren im neuen Ortsfamilienbuch Raesfeld die Geschichte zahlreicher Familien und ihre Verbindungen über Generationen hinweg.

Ohne Ehrenamt wäre das Buch nicht entstanden
Wie viel Arbeit hinter den beiden Bänden steckt, machte Hans Brune, Vorsitzender des Heimatvereins Raesfeld, bereits bei seiner Begrüßung deutlich. Besonders würdigte er den Einsatz des Raesfelder Ehrenbürgers Karl-Heinz Tünte, der das Projekt über viele Jahre maßgeblich vorangetrieben habe.
Ohne dessen ehrenamtliches Engagement wäre das Ortsfamilienbuch nach Brunes Worten nicht zustande gekommen. Gleichzeitig betonte er, dass zahlreiche Mitglieder gemeinsam daran gearbeitet hätten. Über die gute Resonanz bei der Buchvorstellung zeigte sich der Vorsitzende erfreut.
Die Familienforschung hat beim Heimatverein Raesfeld eine lange Tradition. Bereits seit der Vereinsgründung im Jahr 1946 sammelten Mitglieder historische Personendaten, Stammbäume und Familienunterlagen. Zu den Wegbereitern gehörten Adalbert Friedrich, Johannes Böckenhoff und Dr. Helmut Kipp.
2009 schlossen sich mehrere Mitglieder zu einer Genealogiegruppe zusammen. Die Leitung übernahm Karl-Heinz Tünte, sein Stellvertreter wurde Heinz Rickert, der sich im Heimatverein auch um die Finanzen kümmert. Besonders Rickerts Einsatz hob Tünte bei der Buchvorstellung hervor. Sein Stellvertreter habe einen großen Teil der Arbeit übernommen. „Er hat fast täglich, wochenlang am Rechner gesessen“, berichtete Tünte. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Rickert an der Vorstellung nicht teilnehmen.

15.000 Totenzettel, 30.000 Todesanzeigen und viel Fieselarbeit
Die erste und wichtigste Quelle für die Familienforscher bildeten die historischen Kirchenbücher. Aus ihnen entnahmen sie die Personendaten, prüften die Angaben und stellten die Familienzusammenhänge zusammen.
Die ältesten ausgewerteten Einträge reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. So beginnen die erfassten Eheschließungen bereits 1647, die Taufen 1653. Hinzu kamen standesamtliche Urkunden und weitere historische Unterlagen.

Neben den Kirchenbüchern nutzten die Familienforscher umfangreiche Sammlungen des Heimatvereins Raesfeld. Dazu gehörten rund 15.000 Totenzettel sowie etwa 30.000 Todesanzeigen aus örtlichen Tageszeitungen. Die Forscher glichen die darin enthaltenen Angaben mit anderen historischen Quellen ab und ließen die Ergebnisse in das Buchprojekt einfließen.
Eine Arbeit, die viel Geduld erforderte und die Karl-Heinz Tünte als „Fieselarbeit“ bezeichnete. Allein die Menge der ausgewerteten Unterlagen zeige, wie fleißig die Beteiligten gewesen seien. Darauf sei er stolz.
Vier Namen, aber nur ein Raesfelder
Dass Familienforschung auch ihre kuriosen Seiten hat, zeigte Josef Schnieder aus Nottuln, Projektleiter der Initiative „Ortsfamilienbücher Münsterland“. In historischen Unterlagen aus dem 18. Jahrhundert fanden sich teilweise vier unterschiedliche Namen, die am Ende ein und derselben Person zugeordnet werden konnten. „Unglaublich“, kommentierte Schnieder diese Besonderheit.

Für die Forscher bedeutete das zusätzliche Arbeit. Sie mussten die unterschiedlichen Schreibweisen vergleichen und prüfen, ob sich dahinter tatsächlich dieselbe Person verbarg. Auch die Menge des gesammelten Materials stellte die Genealogiegruppe vor Herausforderungen. Rund 26.000 Dokumente und Bilder standen im Zusammenhang mit dem Projekt. Nicht alles fand Eingang in die Veröffentlichung. „Dafür hätten wir dann 100 Jahre gebraucht“, sagte Schnieder mit Blick auf die Materialfülle.
Wie sich historische Personendaten digital erfassen und miteinander verknüpfen lassen, erläuterte Schnieder anschließend anhand des verwendeten Genealogieprogramms. Er zeigte, wie die Familienforscher einzelne Personen ihren Eltern, Ehepartnern und Kindern zuordnen und so verwandtschaftliche Beziehungen über mehrere Generationen nachvollziehen können.
Mit jeder weiteren Auswertung wuchs auch der Umfang des Ortsfamilienbuches. Schließlich kamen rund 1.500 Seiten zusammen. Ein einzelner Band wäre schlicht zu dick geworden. Deshalb entschied sich der Heimatverein, das Werk auf zwei Bücher aufzuteilen.
Die Familien sind überwiegend alphabetisch nach den Familiennamen der Ehemänner beziehungsweise Väter geordnet. Beim Datenschutz hätten die Beteiligten nach Angaben von Tünte ausschließlich Daten verwendet und veröffentlicht, die nicht den geltenden Datenschutzbeschränkungen unterlägen.

Ist ganz Raesfeld miteinander verwandt?
Was die jahrelange Forschungsarbeit besonders deutlich gemacht habe, seien die vielen familiären Verbindungen innerhalb des Ortes, erklärte Karl-Heinz Tünte. Wer die Einträge verfolge, entdecke immer wieder gemeinsame Vorfahren und verwandtschaftliche Beziehungen, die heute möglicherweise kaum noch jemand kenne.
Das Ortsfamilienbuch zeige, dass die Menschen in Raesfeld nicht unabhängig voneinander lebten, sondern über Generationen hinweg miteinander verbunden seien. Raesfeld sei gewissermaßen eine große Familie, in der irgendwie alle miteinander verwandt seien.
Inzwischen haben die Beteiligten die Bücher auch digitalisiert. Dennoch habe die gedruckte Veröffentlichung für Tünte einen besonderen Stellenwert. Während sich Informationen im Internet verändern könnten, blieben die historischen Angaben in den beiden Bänden dauerhaft erhalten. Auch in 30 Jahren könnten Interessierte noch auf die dokumentierten Daten zurückgreifen. Das Ortsfamilienbuch soll damit nicht nur heutigen Familienforschern helfen, sondern auch kommenden Generationen als Nachschlagewerk dienen.
Info: Ortsfamilienbuch Raesfeld
- Umfang: Zwei Bände mit insgesamt 1.500 Seiten
- Inhalt: Rund 20.000 Personendaten
- Preis: Beide Bände zusammen 70 Euro einschließlich Versand bei Sammelbestellung über den Heimatverein
- Bestellung: Über Karl-Heinz Tünte und den Heimatverein Raesfeld
- Telefon: 0151 59849124
- Lieferung: Etwa drei Wochen nach Zahlungseingang
- Alternative: Direktbestellung beim Verlag mit höheren Versandkosten
- Einsicht: Ein Exemplar wird im Museum des Heimatvereins Raesfeld ausgelegt.

























