StartPolitikBündnis90/GrüneGrüne wollen Raesfelder Baumförderung fachlich überprüfen lassen

Grüne wollen Raesfelder Baumförderung fachlich überprüfen lassen

Veröffentlicht am

Die geplante Förderung neuer Bäume auf privaten Grundstücken in Raesfeld soll nach dem Willen von Bündnis 90/Die Grünen vor einer Entscheidung fachlich überarbeitet werden. Die Fraktion unterstützt grundsätzlich ein kommunales Förderprogramm, sieht bei der vorgesehenen Auswahl von 65 Arten, Sorten und Hybriden aber noch Klärungsbedarf.

Förderprogramm grundsätzlich begrüßt

Ausgangspunkt ist ein von der CDU beantragtes kommunales Förderprogramm für Baumpflanzungen. Bündnis 90/Die Grünen greift das Vorhaben mit einem eigenen Antrag auf und fordert eine fachliche Weiterentwicklung.

Anzeige
Anzeige zur Ausbildungsbörse 2026 an der St. Ursula Realschule in Dorsten

Zusätzliche Bäume auf privaten Grundstücken könnten nach Auffassung der Fraktion einen Beitrag zur Klimaanpassung, Biodiversität und langfristigen Entwicklung des Baumbestandes in Raesfeld leisten. Entscheidend sei jedoch, welche Bäume mit öffentlichen Mitteln gefördert würden.

Die Grünen wollen deshalb die geplante Förderrichtlinie und insbesondere die Liste der förderfähigen Baumarten vor einer endgültigen Entscheidung überprüfen lassen.

65 Einträge sollen noch nicht beschlossen werden

Die bislang vorgesehene Anlage mit 65 Arten, Sorten und Hybriden soll nach dem Antrag zunächst nicht als abschließende Förderliste beschlossen werden.

Bei der Prüfung sollen unter anderem Klima- und Standorteignung, Biodiversität, Herkunft, mögliche Invasionsrisiken, biologische und phytosanitäre Risiken sowie genetische Vielfalt berücksichtigt werden. Auch die Bedeutung der Bäume für das Orts- und Landschaftsbild sowie die naturräumliche Eigenart des Münsterlandes solle eine Rolle spielen.

Die Grünen weisen darauf hin, dass private Grundstücke unterschiedliche Bedingungen aufweisen könnten. Ein Baum für einen trockenen Standort müsse andere Voraussetzungen erfüllen als eine Pflanzung auf einem feuchten oder wechselfeuchten Grundstück.

Grüne lehnen einfache Übernahme der Straßenbaumliste ab

Die derzeit vorgeschlagene Auswahl beruhe laut Antrag auf der Veröffentlichung „Zukunftsbäume für die Stadt“ der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz und des Bundes deutscher Baumschulen. Diese Auswahl stamme aus der GALK-Straßenbaumliste und sei vor allem mit Blick auf die besonderen Belastungen urbaner und straßenbegleitender Baumstandorte entwickelt worden.

Nach Ansicht der Grünen lasse sich daraus nicht automatisch ableiten, dass diese Arten auch besonders förderwürdig für private Grundstücke seien. Dort seien die Standortbedingungen häufig anders und vielfältiger.

Henry Tünte, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Gemeinde Raesfeld, erklärt dazu: „Dem Antrag liegt ein Hintergrundpapier bei, das versucht, die Frage der Baumartenwahl für Raesfeld auf solide fachliche Füße zu stellen und zu begründen. Ausdrücklich lehnen wir die einfache Übernahme der GALK-Straßenbaumliste, die für Extremstandorte an Straßen entwickelt wurde, ab.“

Kritisch sieht die Fraktion zudem die Aufnahme mehrerer gebietsfremder Arten bei gleichzeitigem Fehlen zahlreicher heimischer und europäischer Arten. Im Antrag werden dabei Fraxinus pennsylvanica, Quercus rubra und Robinia pseudoacacia ausdrücklich genannt. Diese würden laut Antrag vom Bundesamt für Naturschutz als invasive gebietsfremde Baumarten eingestuft.

Biologische Stationen sollen einbezogen werden

Für die Überarbeitung fordert die Fraktion eine interdisziplinäre fachliche Prüfung. Neben der Klima- und Standorteignung sollen Naturschutz, Biodiversität, Biogeographie, Invasionsrisiken und biologische Sicherheit berücksichtigt werden.

Dazu solle mindestens eine geeignete naturschutzbiologische Institution beteiligt werden. Die Grünen schlagen vor, eine Beteiligung der Biologischen Station Zwillbrock und/oder Recklinghausen anzufragen. Bei Bedarf könnten zudem die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Borken sowie Fachleute für Dendrologie und Baumstandortkunde hinzugezogen werden.

Als Grundlage für die Diskussion soll das wissenschaftliche Hintergrundpapier „Baumartenwahl für eine naturbasierte und zielkohärente Klimaanpassung in Raesfeld – Biogeographie, Biodiversität, biologische Sicherheit und regionale Eigenart als Kriterien kommunaler Baumförderung“ dienen.

Die darin enthaltene Bewertung solle ausdrücklich keine abschließende Entscheidung vorwegnehmen. Vielmehr sollen die beteiligten Fachstellen die vorgeschlagenen Kriterien, die Einordnung der bislang vorgesehenen Baumarten sowie mögliche Alternativen prüfen und gegebenenfalls ergänzen oder korrigieren.

Bestehende Förderung im Kreis Borken berücksichtigen

Ein weiterer Punkt des Antrags betrifft bereits vorhandene Förderangebote. Die Grünen verweisen auf die Obstbaumpflanzaktion der Naturfördergesellschaft für den Kreis Borken.

Nach Angaben der Fraktion würden 2026 insgesamt 20 alte Hochstamm-Obstsorten gefördert. Das Angebot gelte inzwischen sowohl für Grundstücke im Außenbereich als auch im Innenbereich des Kreises Borken. Interessenten trügen die Hälfte der Kosten, die andere Hälfte übernehme die Naturfördergesellschaft.

Die Gemeinde solle deshalb prüfen, wie eine eigene Baumförderung dieses bestehende Angebot sinnvoll ergänzen könne. Doppelstrukturen und eine unnötige Konkurrenz verschiedener Förderangebote sollten nach Auffassung der Grünen vermieden werden. Kommunale Mittel könnten dadurch gezielt für Bereiche eingesetzt werden, für die bislang keine oder keine ausreichende Förderung bestehe.

Standort könnte über Förderung entscheiden

Die Fraktion schlägt außerdem vor zu prüfen, ob Raesfeld anstelle einer ausschließlich statischen Artenliste ein stärker am jeweiligen Standort orientiertes System entwickeln könne.

Heimische und europäische Arten sollten dem Antrag zufolge grundsätzlich Vorrang erhalten. Wo es fachlich erforderlich sei, könnten auch klimaangepasste Arten aus angrenzenden mediterranen oder biogeographisch nahen Herkunftsräumen berücksichtigt werden. Invasive Arten sollen dagegen von der Förderung ausgeschlossen bleiben.

Außerdem sollten Arten grundsätzlich gegenüber einer unnötigen Beschränkung auf einzelne Zuchtsorten bevorzugt werden. Für besondere Standorte könnten begründete Ausnahmen vorgesehen werden.

Überarbeitete Richtlinie soll erneut in die Politik

Nach Abschluss der fachlichen Prüfung soll die Verwaltung dem zuständigen Ausschuss eine überarbeitete Förderrichtlinie einschließlich einer fachlich begründeten Auswahl förderfähiger Bäume zur Beratung vorlegen.

Ziel sei nach Angaben der Grünen eine Regelung, die Klimaanpassung, Baumerhalt und Baumpflanzung, Biodiversität, Naturschutz, biologische Sicherheit und die regionale Eigenart miteinander verbinde. Gleichzeitig solle die Förderung für Bürgerinnen und Bürger einfach, nachvollziehbar und praktikabel bleiben.

Als Leitprinzip nennt die Fraktion in ihrem Antrag: „So nah wie möglich an den vorhandenen ökologischen Zusammenhängen – so weit wie aufgrund des Klimawandels fachlich erforderlich.“

Info: Was steht im Hintergrundpapier?

Dem Antrag liegt ein 27-seitiges Hintergrundpapier von Henry Tünte bei. Darin untersucht er die bestehende Raesfelder Baumschutzsatzung, die wissenschaftlichen Quellen des CDU-Antrags sowie das Verhältnis zwischen dem Erhalt vorhandener Bäume und der Förderung von Neupflanzungen.

Ein zentraler Punkt: Nach Tüntes Auswertung lasse sich aus den vom CDU-Antrag angeführten wissenschaftlichen Quellen nicht ableiten, dass eine Abschaffung der Baumschutzsatzung und deren Ersatz durch eine finanzielle Förderung wirksamer wäre. Die ausgewerteten Untersuchungen sprächen vielmehr überwiegend für eine Kombination aus Schutz, Förderung, Beratung und Monitoring.

Auch die im CDU-Antrag genannte Genehmigungsquote von rund 73 Prozent bei Fällanträgen bewertet das Papier differenziert. Die zugrunde liegende Untersuchung belege zwar diese durchschnittliche Quote in untersuchten NRW-Kommunen. Daraus gehe jedoch nicht hervor, dass 73 Prozent der Fällungen aus sachlichen oder rechtlichen Gründen zwingend hätten genehmigt werden müssen.

Eine weitere Rolle spielt der Unterschied zwischen alten Bäumen und Neupflanzungen. Große, vitale Bestandsbäume könnten aufgrund ihrer entwickelten Krone und Biomasse Leistungen erbringen, die junge Bäume zunächst nicht erreichten. Auch Lebensraumstrukturen alter Bäume ließen sich durch Neupflanzungen nicht kurzfristig ersetzen. Das Papier unterscheidet deshalb zwischen zwei Funktionen: Neupflanzungen sicherten den Baumbestand der Zukunft, während der Erhalt großer Bäume bereits vorhandene ökologische Leistungen sichere.
Für Raesfeld sieht das Hintergrundpapier zugleich eine wesentliche Datenlücke. Öffentlich zugängliche vollständige Statistiken zu Fällanträgen, Genehmigungen und Ablehnungen, Ersatzpflanzungen, Bearbeitungszeiten, Kosten oder Verstößen habe Tünte bei seiner Recherche nicht ermitteln können. Deshalb sei eine belastbare Bewertung der tatsächlichen Wirkung der Raesfelder Satzung derzeit nicht möglich.

Das Papier empfiehlt daher, die Baumschutzsatzung nicht vorzeitig aufzuheben, sondern zunächst ihre Anwendung über mehrere Jahre auszuwerten. Anschließend könnten unter anderem Schutzschwellen, Ausnahmen, Ersatzregelungen und Verwaltungsverfahren überprüft und modernisiert werden. Eine Förderung privater Baumpflanzungen solle nach dieser Bewertung ergänzend hinzukommen und könne auch den Erhalt ökologisch wertvoller Bestandsbäume einbeziehen.

LETZTE BEITRÄGE

Klassenfahrt trotz Krankheit: Gericht stärkt Rechte von Schülern

Dürfen Schulen ein chronisch krankes Kind von einer Klassenfahrt ausschließen? Ein aktueller Fall aus Wuppertal zeigt, dass dafür hohe Hürden gelten. Wie das Verwaltungsgericht Düsseldorf...

Raesfelder Sommerlaune feiert Finale mit Rainer Migenda

Ein letztes Mal Sommerlaune auf dem Rathausplatz: Am Freitag, 4. September 2026, geht die Veranstaltungsreihe in Raesfeld ins Finale. Von 17 bis 22 Uhr sorgen...

Vier Tage Stadtfest: Borken feiert 800 Jahre mit Musik und Familienprogramm

Borken. Vier Tage Programm mitten in der Innenstadt: Vom 10. bis 13. September 2026 feiert Borken sein 800-jähriges Stadtjubiläum mit einem großen Stadtfest. Auf dem...

Kinder fahren kostenlos im WestfalenTarif

Zum Weltkindertag können Kinder kostenlos Bus und Bahn fahren. Am Sonntag, 20. September 2026, gilt die Aktion im gesamten WestfalenTarif und darüber hinaus in ganz...

Klick mich