Die Kunstausstellung „dasselbe anders“ in Raesfeld zeigte am Wochenende Kunst nicht nur als fertiges Werk, sondern auch den Weg dorthin. In der Villa Becker trafen Besucher auf Ideen, Experimente und persönliche Geschichten. Die 8. Raesfelder Kunstbörse brachte Künstler und Publikum ins Gespräch.
Kunst gehörte zum Dorfleben
Schon zur Eröffnung wurde deutlich, welche Rolle die Künstlergruppe im Ort spielt. Zahlreiche Gäste waren gekommen, viele kannten sich, kamen ins Gespräch, blieben stehen und schauten genauer hin. Anlass war die achte Ausstellung der Künstlergruppe „dasselbe anders“, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen markiert.

Der stellvertretende Bürgermeister Ralf Kock begrüßte die Besucher und die Künstler der Gruppe „dasselbe anders“. Er dankte ihnen für ihr Engagement und hob die Bedeutung der Kunst für die Gemeinde hervor.
„Seit 30 Jahren prägt die Künstlergruppe das kulturelle Leben in unserer Gemeinde“, sagte Kock. Die Beteiligten seien nicht nur Ausstellende, sondern ein aktiver Teil des Dorflebens.
Kunst entstehe nicht im Verborgenen. Sie wirke dort, wo Menschen zusammenkommen. Kock erinnerte an ein Projekt zur Eröffnung des Femeichenparks im Ortsteil Erle im vergangenen Jahr. Solche Aktionen zeigten, wie Kunst Begegnungen ermögliche.
Auch rund um das Wasserschloss Raesfeld sei das sichtbar geworden. „Die Künstler haben das Schloss aus unterschiedlichen, ungewohnten Perspektiven gezeigt und damit das Motto ,dasselbe anders‘ sichtbar gemacht“, sagte Kock.

Ein Blick hinter die Kulissen
Maria Kowalksky, Vorsitzende des Ortmarketing, eröffnete die Ausstellung mit persönlichen Worten. Ihre Freude über die vielen Besucher war spürbar. „Es freut mich zu sehen, wie zahlreich Sie heute erschienen sind, um gemeinsam mit uns die Kunst zu feiern und vor allem das, was hinter ihr steckt“, sagte sie.

Genau darum ging es in dieser Ausstellung. Nicht nur fertige Werke standen im Mittelpunkt, sondern der Weg dorthin. „Ein Kunstwerk entsteht selten geradlinig. Es beginnt mit einer Idee, manchmal klar, manchmal vage. Es wächst durch Experimente, durch Zweifel, durch Umwege und durch Rückschläge.“
Unterschiedliche Handschriften
In den Räumen der Villa Becker entfaltete sich anschließend die ganze Bandbreite der Gruppe „dasselbe anders“, die seit 1996 für künstlerische Eigenständigkeit steht.

Norbert Then war als Gast dabei und brachte Skulpturen aus Stahl mit. Seine Arbeiten setzten einen klaren Kontrast zu den Bildern und gaben der Ausstellung eine zusätzliche Dimension.

Marie-Luise Stötzel zeigt ruhige, oft melancholische Bildwelten. Ihre Motive wirken still und erzählten von Orten, die Spuren von Menschen tragen.

Ganz anders arbeitet Gisela Penassa. Mit Spachtel, Rolle und den Händen entstehen Strukturen, die Bewegung und Dynamik in ihre Bilder bringen.

Christian Vorholt schuf Räume aus Farbe, Struktur und Atmosphäre. Seine Werke gaben keine festen Antworten, sondern öffneten den Blick für eigene Gedanken und Interpretationen.

Josef Suer präsentierte eine große Bandbreite. Neben klassischen Motiven nutzt er auch ungewöhnliche Materialien wie Furnierholz. Besonders auffällig war sein sehr aufwendiger Holzschnitt vom Schloss Raesfeld.

Marion Vrenegor verbindet Fotografie, Malerei und Text. Sie greift auch aktuelle Themen auf, etwa den Erdrutsch in Coesfeld, und setzte sie künstlerisch um.

Birgit Kölking bringt mit ihren Glasarbeiten Licht ins Spiel. Ihre Werke lebten von Transparenz, Farbe und Tiefe und zeigten, wie faszinierend dieses Material auch in Verbindung mit Holz sein kann.

Yune Irmgard Teroerde widmete sich seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft der experimentellen Malerei. In ihren Arbeiten spiegelten sich Erfahrung, Neugier und die Freude am künstlerischen Entdecken wider.
Positive Resonanz bei den Besuchern
Marie-Luise Stötzel beschreibt den Verlauf der Ausstellung am Sonntag als sehr positiv. „Es wird sehr gut angenommen. Wir haben sehr, sehr viele Besucher und Besucherinnen, die sich ganz interessiert und lange mit unseren Arbeiten auseinandersetzen“, sagt sie.

Viele Gäste bleiben über längere Zeit in der Villa Becker. „Das sind Leute, die sind erst nach anderthalb bis zwei Stunden wieder raus.“ Für Stötzel liegt genau darin der Kern der Ausstellung. „Wenn jemand so lange freiwillig bleibt und sich alles genau anguckt und sich die Techniken erklären lässt, dafür sind wir hier.“

Die Kunstausstellung „dasselbe anders“ in Raesfeld zeigte genau das. Sie öffnete den Blick für das, was hinter den Bildern steckt, und machte deutlich, wie viel Bewegung, Zweifel und Entwicklung in jedem Werk steckt.

Rückblick
Gegründet wurde die Gruppe 1996 von Renate Giehl, Eveline Kriwet, Gerda Tünte, Ady Schweitzer und Marie-Luise Stötzel. Letztere ist heute als einziges Gründungsmitglied noch aktiv und übernimmt die Rolle der Sprecherin.
































