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Indienfahrt von Raesfeld nach Kerala mit Herz und Hindernissen: Eine Reise, die bleibt

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Pater Johnsun brachte rund zwei Koffer Schokolade für die Schwerstern von Mutter Teresa in Kalkutta mit. Ein gern gesehen Geschenk aus Deutschland. Foto: Privat

40 Menschen aus Raesfeld, Erle, Borken und Umgebung haben im Januar Indien bereist. Mitten im Trubel von Kalkutta, zwischen Tempeln, Teeplantagen und Dorfgemeinschaften, erlebte die Gruppe eine Reise voller Kontraste. Pastor Dr. Fabian Tilling erzählt von Kulturschock, Herzlichkeit und dem Blick auf die Welt, der sich verändert hat.

Ankommen im Chaos von Kalkutta 

Vom 15. bis zum 30. Januar war die Raesfelder Reisegruppe der Pfarrgemeinde St. Martin unterwegs. Erste Station: Kalkutta. Eine Stadt, die nichts versteckt. Lärm, Verkehr, Farben, Menschen. Alles gleichzeitig. 

Die Familie von Pater Johnsun in Indien.
Die Familie von Pater Johnsun in Indien. Foto: Privat

„Kalkutta war für uns der erste große Kulturschock“, sagt Fabian Tilling. „Diese Stadt ist chaotisch, aber auch unglaublich lebendig. Die Buntheit der Kleidung, die vielen Menschen auf engstem Raum, das hatte auch sehr schöne Seiten.“ 

Für einige aus der Gruppe war vor allem die Technik ein Thema. „Wir hatten viele Elektriker dabei. Die Verkabelung zwischen den Häusern hat schon für Irritationen gesorgt.“ Tilling selbst blickte vor allem auf den Verkehr. „Tuk-Tuks, Fahrräder, Autos, alles fährt durcheinander und funktioniert irgendwie doch.“ Dass Zeit in Indien anders verstanden wird, lernte die Gruppe schnell. Zur ersten Messe kamen sie fast zwei Stunden zu spät. Der Feierabendverkehr ließ nichts anderes zu. 

Messe am Grab von Mutter Teresa 
Messe am Grab von Mutter Teresa . Foto: Privat

Messe am Grab von Mutter Teresa 

Ein besonderer Moment wartete im Zentrum Kalkuttas. Die Gruppe feierte gemeinsam Messe am Grab von Mutter Teresa. „Sie ist ein paar Tage nach meinem 14. Geburtstag gestorben. Ich kannte sie aus dem Fernsehen“, erzählt Tilling. „Dann vor diesem schlichten Grab zu stehen, von einer Frau, die so viel geleistet hat, das hat mich sehr beeindruckt.“ 

Die Gruppe brachte Schokolade für die Schwestern mit. „Zollprobleme gab es keine. Wir sind um zwei Uhr nachts gelandet, da hat sich niemand dafür interessiert.“ Am Ende konnten zwei große Kisten übergeben werden. „Pater Johnsun hat fast einen halben Koffer dafür geopfert“, sagt Tilling und lacht. 

Vom Taj Mahal bis in den Süden 

In Nordindien standen zunächst bekannte Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Die Reise führte zum Taj Mahal und zu prachtvollen Mogulpalästen, einer eindrucksvoller als der andere.

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In Nordindien führte die Reise zu bekannten Sehenswürdigkeiten. Das Taj Mahal. Foto: Privat

Heilige Kühe und kleine Unfälle 

Allgegenwärtig waren die Heiligen Kühe. „Sie dürfen alles“, sagt Tilling. „Wenn eine Kuh jemanden rempelt, dann ist nicht die Kuh schuld, sondern der Mensch, der im Weg stand.“ Zwei Mitreisende machten diese Erfahrung sehr direkt und landeten auf dem Hosenboden. Gelassen wurde darüber hinweg gelacht. Es passte zu einem Land, das eigene Regeln hat. 

Heilige Kuh in Jaipur auf der Straße
Eine der vielen Heiligen Kühe in Jaipur. Foto: Privat

Doch der eigentliche Grund der Reise lag weiter südlich. In Wayanad, der Heimat von Pater Johnsun. Von Jaipur aus flog die Gruppe nach Bangalore und reiste von dort weiter nach Kerala. „Dort haben wir ein ganz anderes Indien erlebt“, sagt Tilling. „Palmen, Kokosnüsse, Tee- und Kaffeeplantagen, Bananen, dichter Wald.“ Tiere gehörten zum Alltag. Affen an den Straßenrändern, Makaken überall. Zwei wilde Elefanten tauchten plötzlich am Straßenrand auf. Tiger blieben verborgen. 

Besuch bei Pater Johnsuns Familie
Besuch bei Pater Johnsuns (li.) Familie. Foto: Privat

Empfang in der Dorfgemeinschaft 

Der Besuch bei Pater Johnsuns Familie war für viele ein Höhepunkt. Der Bus hielt im Wald, der Rest des Weges wurde zu Fuß zurückgelegt. „Seine Eltern haben uns herzlich empfangen. Geschwister, Neffen, Nichten, alle waren da.“ Die Familie zeigte, was sie anbaut: Pfeffer, Kardamom, Zimt, Bananen. Gegessen wurde gemeinsam. 

„Das Mittagessen wurde auf Bananenblättern serviert. Das macht man dort nur für besondere Gäste.“ Übernachtet wurde in der Nähe. Am Nachmittag folgte ein Gottesdienst im Pambra-Kinderprojekt. 

Pambra-Projekt in Indien, unterstützt von der Kirchengemeinde St. Martin
Das Pambra-Projekt in Indien, wird von der der Kirchengemeinde St. Martin, unter anderem durch die Püfferken-Aktion, unterstützt. Das Projekt unterstützt Kinder aus armen Familien, angefangen von Schule bis hin zum Kindergarten. Foto: Petra Bosse

Begegnungen im Pambra-Kinderprojekt 

Im Projekt stellten sich die Kinder einzeln vor. Sie erzählten von Schule und Ausbildung. Viele trugen festliche Kleidung, einige führten Tänze auf. „Man merkt, dass das Projekt hier in Raesfeld-Erle bekannt ist“, sagt Tilling. „Wir haben von der Püfferkes-Aktion erzählt und von Spenden aus der Gemeinde.“ 

Gottesdienst im Heimatort von Pater Johnsun. Foto: Privat

Rund 1000 Euro kamen zuletzt durch das Sounds of Erle-Konzert und Einzelspenden der auftretenden musikalischen Gruppen und Akteure noch kurz vor der Abreise zusammen. „Damit kann vor Ort viel bewegt werden“, so Tilling. Unterstützt werden unter anderem Schulmaterialien, Kleidung und Ausbildungskosten. 

Gartenansichten im Haus von Pater Johnsun. Foto: Privat

Mit Markus unterwegs 

Regelmäßig feierte die Gruppe zusammen Gottesdienst. Jeden Tag hatte Pastor Tilling für die Busfahrten eine Andacht mit Impulsen vorbereitet. In zwölf Abschnitten wurde ein Stück auf dem Markusevangelium vorgelesen. Auch Jesus ist mit seinen Jüngern auf Reisen. Er wagt sich immer wieder in unbekannte Gebiete und zu den „Heiden“. Pastor Tilling: „Gerade in der Fremde erlebt er die größten Überraschungen und die spannendsten Glaubenserfahrungen“.  

Besuch in einer Teeplantage in Indien
Besuch in einer Teeplantage. Foto: Privat

Was bleibt von dieser Reise 

Indien habe ihn nachdenklich gemacht, sagt Tilling. „Was wir von Indien lernen können, ist, dass man Chaos so organisieren kann, dass es funktioniert. Das Hupen im Verkehr beispielsweise ist keine Aggression, sondern Rücksichtnahme.“ Umgekehrt gebe es auch Dinge, die Indien von Europa lernen könne, etwa im Umgang mit Müll. 

Sein Fazit ist klar: „Indien ist auf jeden Fall eine Reise wert. Man braucht eine gute Vorbereitung und Offenheit. Aber wer mit offenen Augen unterwegs ist, nimmt sehr viel für das eigene Leben mit.“ 

Einkaufen in Indien
Einkaufstour vor Ort. Foto: Privat

Was wir von Indien lernen können, ist, dass man Chaos so organisieren kann, dass es funktioniert.

Pastor Fabian Tilling
Weihnachtskrippe in einer katholischen Kirche in Indien-Kerala
Weihnachtskrippe Foto: Privat
Weihnachtkrippe-katholische Kirche in Kerala
Weihnachtkrippe-katholische Kirche in Kerala. Foto: Privat

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