Die folgenden Fragen wurden einem Energie- und Projektmanager eines deutschen mittelständischen Unternehmens gestellt. Nick Weidemann, Geschäftsführer von kWhoch2, ist für die Projektierung großer Photovoltaik-Anlagen verantwortlich und erlebt die Energie- und Förderpolitik im täglichen Betrieb. Wir haben ihn gefragt, welche Rahmenbedingungen er sich von der aktuellen Regierung erhofft.
Planbarkeit & Preisstabilität
Heimatmedien: „Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für mittelständische Unternehmen im Bereich der Energieversorgung, insbesondere in Bezug auf Planbarkeit und Preisstabilität?“
Nick Weidemann, kWhoch2: „Die aktuell größte Herausforderung für mittelständische Unternehmen liegt in der fehlenden Planbarkeit der Energiepreise. Stromkosten schwanken je nach Zeitpunkt, Region und Versorger extrem. Allein das sorgt bereits für massive Unsicherheit und führt zu Wettbewerbsverzerrungen im deutschen Markt.
Wer heute einen neuen Stromliefervertrag abschließen muss, ist stark davon abhängig, ob der vorherige Kontrakt zu einem günstigen oder ungünstigen Zeitpunkt ausgelaufen ist. Einige Unternehmen zahlen derzeit fast doppelt so viel wie andere. Nicht wegen ihres Verbrauchs oder ihres Netzes, sondern schlicht, weil der Vertrag in einer Hochpreisphase endete.
Hinzu kommt eine immer unübersichtlichere politische Lage. Vorschläge zur Energiepolitik werden teilweise ohne fachliche Substanz öffentlich diskutiert, was in Unternehmen für zusätzliche Verunsicherung sorgt. Gleichzeitig beeinflussen internationale Entwicklungen, wie der Krieg in der Ukraine oder mögliche politische Veränderungen in den USA, die Preisbildung massiv. Auch innenpolitisch wirkt sich Instabilität negativ aus, etwa durch potenziell vorzeitige Regierungswechsel oder inkonsistente Gesetzgebung.
Unter diesen Bedingungen ist eine strategische Energiebeschaffung für mittelständische Betriebe faktisch unmöglich. Wer heute langfristig kalkulieren will, steht vor einem Preisrisiko, das durch Marktmechanismen allein kaum mehr beherrschbar ist.“
Erneuerbare Energien in Deutschland
Heimatmedien: „Welche drei politischen Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht am dringendsten notwendig, um den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland wirksam voranzutreiben?“
Nick Weidemann, kWhoch2: „Als erstes müssten die Bearbeitungszeiten und Vorgaben für den Netzanschluss von Erzeugungsanlagen bundesweit vereinheitlicht und deutlich beschleunigt werden. Momentan hat jeder Netzbetreiber eigene Regeln, Fristen und Abläufe. Das kostet Zeit, Nerven und Ressourcen auf Seiten der Antragsteller. Es braucht einen einheitlichen, digitalen Standard im Umgang mit Photovoltaikanlagen, Speichern, Blockheizkraftwerken und Biogasanlagen.
Zweitens braucht es politische Stabilität und Verlässlichkeit bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen, insbesondere beim EEG. Rückwirkende Änderungen oder kurzfristige Eingriffe untergraben das Vertrauen in die Energiewende und machen Investitionen riskanter, als sie ohnehin schon sind. Unternehmen müssen sich darauf verlassen können, dass geltende Regeln auch mittelfristig Bestand haben.
Und drittens muss die dezentrale Energieproduktion konsequent gefördert werden, sowohl im Erzeugungs- als auch im Speicherbereich. Es genügt nicht, PV-Anlagen zu errichten. Die erzeugte Energie muss auch effizient gespeichert und lokal verbraucht werden können. Dafür braucht es dezentrale Speicherlösungen, die regional verfügbare Energie puffern und das Netz entlasten. Diese Infrastruktur muss politisch gewollt, technologisch unterstützt und regulatorisch ermöglicht werden.
Heimatmedien: „Wie beurteilen Sie die aktuelle Förderlandschaft für Photovoltaik und Speicherlösungen und was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern, damit die Förderpolitik wirksamer und mittelstandsfreundlicher wird?“
Nick Weidemann, kWhoch2: „Die Photovoltaik als solche benötigt in vielen Fällen keine direkte Förderung mehr. Durch das EEG gibt es eine gewisse Wirtschaftlichkeit. Vorausgesetzt, die Anlage ist gut geplant und betrieben. Was aber vollkommen fehlt, ist eine Förderung für das Umfeld der PV-Anlage, also für das, was sie überhaupt erst möglich oder effizient macht, z. B. Dachsanierungen bei Bestandsgebäuden, die Erneuerung von Mittelspannungs- oder Niederspannungsschaltanlagen, die Modernisierung von Trafostationen oder die Installation von intelligenten Speichern.
Gerade mittelständische Betriebe, die viel Energie direkt selbst verbrauchen könnten, scheitern oft nicht an der PV selbst, sondern an der Infrastruktur drumherum. Es wäre daher viel sinnvoller, Förderungen dort anzusetzen, wo sie für hohe Eigenverbrauchsquoten oder sinnvolle Speicherintegration sorgen. Statt pauschaler Subventionen sollte es zielgerichtete Programme geben, etwa in Form von Steuererleichterungen, Investitionszuschüssen oder regulatorischen Vereinfachungen bei der Genehmigung großer Speicher. Das wäre effizienter und mittelstandsfreundlicher als der heutige Förderflickenteppich.
Hürden im Alltag
Heimatmedien: „Wo erleben Sie im Alltag die größten bürokratischen Hürden, z. B. bei Netzanschlüssen, Ausschreibungen oder technischen Nachweisen?“
Nick Weidemann, kWhoch2: „Die größten Probleme entstehen nach wie vor im Bereich Netzanschluss, sowohl organisatorisch als auch personell. Viele Netzbetreiber haben schlicht nicht genügend qualifiziertes Personal, um die Vielzahl an Anträgen zeitnah zu bearbeiten. Netzberechnungen für Anlagen über 30 kWp dauern teilweise Monate, weil sie entweder an externe Ingenieurbüros ausgelagert oder intern nur mit viel Verzögerung bearbeitet werden.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen ständig. Besonders bei Anlagen ab 270 kW Einspeisung bzw. 500 kW Erzeugungsleistung sind technische Nachweise wie das Anlagenzertifikat erforderlich. Das stellt nach wie vor eine massive bürokratische Hürde dar. Die Bearbeitungszeit dafür liegt regelmäßig zwischen acht und zwölf Monaten, unabhängig davon, wie schnell Errichter und Betreiber ihre Unterlagen liefern. Und das lähmt nicht nur Projekte, sondern kostet den Mittelstand bares Geld.
Die Ursache liegt nicht nur in den Netzbetreibern selbst, sondern auch in den komplexen Normen und Richtlinien, etwa der VDE-AR-N 4105 und VDE-AR-N 4110. Sie sind gut gemeint, aber in der Praxis häufig zu detailliert, zu langsam aktualisiert und zu schwerfällig umgesetzt.“
Heimatmedien: „Welche Anreize könnte die Politik setzen?“
Nick Weidemann, kWhoch2: „Zunächst müsste das EEG vereinfacht und so umgeschrieben werden, dass es auch für mittelständische Unternehmen ohne juristische Fachberatung verständlich und umsetzbar ist. Gleiches gilt für technische Regelwerke wie die VDE-Richtlinien. Auch hier sollte zusammen mit den Innungen und Fachverbänden eine praxisnähere Fassung geschaffen werden.
Darüber hinaus braucht es Stabilität und Kontinuität in der politischen Kommunikation. Wer in Erneuerbare investiert, braucht Vertrauen in den langfristigen Rahmen, nicht ständig neue Programme oder widersprüchliche Aussagen.
Stromspeicher und andere Komponenten für Netzstabilität sollten gezielt gefördert werden, nicht im Sinne pauschaler Subventionen, sondern durch steuerliche Abschreibungen, regulatorische Erleichterungen und klare Anwendungsfälle wie die Bereitstellung von Regelenergie oder Blindleistung.
Ein besonders wichtiger Punkt wäre die Vereinheitlichung der Netzbetreiberpraxis. Derzeit erleben wir, dass manche Versorger über Monate keine Rückmeldung zu Einspeiseanträgen geben, obwohl gesetzlich nach acht Wochen eine Entscheidung vorliegen sollte. Hier sollte der Gesetzgeber eingreifen, notfalls mit einer bundesweit einheitlichen digitalen Plattform zur Antragstellung.
Und nicht zuletzt braucht der Mittelstand als Rückgrat der Energiewende gezielte Unterstützung. Denn während die Kilowattstunde aus einer PV-Anlage über 20 Jahre hinweg gleich viel kostet, fehlt dem Mittelstand genau diese langfristige Planungssicherheit in vielen anderen Bereichen. Politik muss hier nicht alles subventionieren, aber endlich Verlässlichkeit und Handhabbarkeit schaffen.
Die dezentrale Energieversorgung über PV-Anlagen und Speicher ist nach wie vor eine große Chance für das ‚kleine Deutschland‘ auf dem Weltmarkt, sowohl wirtschaftlich und technologisch als auch langfristig planbar. Wenn es der Politik gelingt, den regulatorischen Rahmen verlässlich und handhabbar zu gestalten, können gerade Mittelständler zu einem stabilen Rückgrat der Energiewende werden. Die Potenziale sind da, jetzt braucht es den politischen Willen, sie freizusetzen.“
Der direkte Weg zur kWhoch2 GmbH:

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