StartGemeinde RaesfeldKircheEin ungewöhnlicher Weg zur Priesterweihe

Ein ungewöhnlicher Weg zur Priesterweihe

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Mitten im Leben einen neuen Weg einschlagen – Thomas Kuhn hat genau das getan. Der 54-Jährige wird am Pfingstsonntag, 8. Juni, im St.-Paulus-Dom in Münster zum Priester geweiht. Für ihn ist es ein geistlicher Neubeginn – getragen von Familie, Glauben und Erfahrungen, die er zuvor als Erzieher und Diakon gesammelt hat.

Verwurzelt in Dorsten

Aufgewachsen in Dorsten, engagierte sich Kuhn früh in der kirchlichen Jugendarbeit, insbesondere bei den Pfadfindern. Nach seiner Ausbildung zum Elektroinstallateur entschied er sich bewusst für einen sozialen Beruf und wurde Erzieher. Gemeinsam mit seiner Frau Jutta und den eigenen drei Kindern arbeitete er als Außenstelle der Caritas Duisburg. Die Familie nahm über 20 Jahre hinweg immer wieder Pflegekinder mit besonderem Bedarf auf.

„Wir mussten mit Überraschungen leben“, erinnert sich Kuhn. „Aber wir waren ein eingespieltes Team. Jeder brachte seine Stärken ein – das hat uns getragen.“

Diakon mit Beruf und Berufung

Der Glaube blieb für Kuhn stets ein Fundament. 2012 empfing er die Weihe zum Ständigen Diakon mit Zivilberuf. In seiner Heimatpfarrei St. Agatha in Dorsten übernahm er ehrenamtlich Aufgaben wie Beerdigungen oder Gespräche mit Trauernden – dort, wo andere zeitlich oft nicht einspringen konnten.

Ein Schicksalsschlag veränderte 2016 das Leben der Familie: Kuhns Frau starb nach schwerer Krankheit. „Der Glaube hat uns durch diese Zeit getragen“, sagt er. „Die Gewissheit, dass das Leben nicht endet, sondern verwandelt wird, hat uns Kraft gegeben.“

Rückzug, Klärung – und ein klarer Ruf

Nach dem Tod seiner Frau zog sich Kuhn in ein Benediktinerkloster in Salzburg zurück. In dieser Zeit reifte eine Entscheidung: der Schritt ins Priesteramt. „Ich habe gespürt, dass da noch mehr ist“, berichtet er. Die Reaktionen seiner Kinder und seiner Mutter auf die Entscheidung hätten ihn überrascht – sie hätten es geahnt und unterstützten ihn.

2021 begann Kuhn die Ausbildung im Priesterseminar Borromaeum in Münster – mit Studienphasen, Praktika, Schulunterricht und pastoralen Kursen. Als Diakon hatte er bereits zahlreiche seelsorgliche Erfahrungen gesammelt, was ihm den Einstieg erleichterte.

Rückkehr nach Lüdinghausen als Kaplan

Seine letzte Ausbildungsstation führte ihn nach Lüdinghausen – dort wird er nach der Weihe als Kaplan wirken. „Ich freue mich, dort anzukommen. Eine Wohnung habe ich schon.“ Konkrete Schwerpunkte sind noch offen, doch Kuhn sieht sich in einer integrativen Rolle – auch in den angrenzenden pastoralen Räumen mit Nordkirchen, Olfen, Selm und Senden.

Die Primiz in Dorsten – ein Kreis schließt sich

Seine Primiz wird Kuhn in seiner Heimatpfarrei St. Agatha in Dorsten feiern – begleitet von seinen Töchtern, die im Chor singen werden. Auf dem Primizzettel steht ein Satz aus der Regel des heiligen Benedikt: „damit in allem Gott verherrlicht werde“. Die Vorderseite zeigt ein Motiv der Osterkerze von 2012 – gestaltet von seiner Frau.

Ein Symbol für das, was ihn trägt: Glaube, Familie, Gemeinschaft – und die Zuversicht, dass selbst ungewöhnliche Lebenswege eine innere Logik und ein Ziel haben.

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