StartLandwirtschaftWestmünsterland und der Wolf: Interview mit Dorstens Bürgermeister Stockhoff

Westmünsterland und der Wolf: Interview mit Dorstens Bürgermeister Stockhoff

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Das Wolfsgebiet Schermbeck wurde erweitert. Seit dem 15. April ist nun auch Westmünsterland und Dorsten als offizielles Wolfsgebiet ausgewiesen worden

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigte, dass ein Wolfsrüde seit mehr als sechs Monaten hier lebt. Wir sprachen mit Bürgermeister Tobias Stockhoff über die Entwicklung.

Wolfsgebiet-Schermbeck-Westmünsterland
©LANUV

Der Wolf mit der amtlichen Kennung GW2889m gilt nun als territorial, lebt also vermutlich dauerhaft hier. Sein Revier sind der Dämmerwald und die Üfter Mark nördlich der Lippe zwischen Schermbeck, Dorsten und Raesfeld. Naturschützer begrüßen die Entwicklung, während Nutztierhalter besorgt sind. Wie sieht Bürgermeister Tobias Stockhoff die Rückkehr des Wolfes?

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  1. Der Wolf wird aktuell vielerorts gesehen, unter anderem am Freudenberg beim Überqueren der B 224. Manche Eltern, Spaziergänger usw. haben Angst. Ist die Angst berechtigt?

Stockhoff: Ich kann sowohl die Sorgen in der Bevölkerung als auch von Weide- und Nutztierhaltern nachvollziehen. Die Vorfälle in unserer Nachbarkommune Schermbeck und jetzt beispielsweise auch in Lembeck oder Rhade sind eine massive emotionale wie wirtschaftliche Belastung für die betroffenen Tierhalterinnen und Tierhalter. Auch wenn man feststellen darf, dass durch den Wolf in Deutschland ganz offensichtlich bisher kein Mensch angegriffen wurde und das ein solcher Angriff nahezu ausgeschlossen werden kann, kann ich nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die Angst haben. Gegen Angst helfen am Ende nur Informationen und Aufklärung. Hier sind Bund und Land gefordert!

  1. Was sollte die Politik machen, damit ein Zusammenleben mit dem Wolf funktioniert?

Stockhoff: Zunächst einmal zeigt sich leider erneut, dass hier die Bundespolitik ein Gesetz verabschiedet hat, ohne sich vorher umfassend Gedanken über die Folgen zu machen. Aus meiner Sicht passiert das immer, wenn man durch reine Ideologie geleitet wird und den fachlichen Sachverstand nicht ausreichend berücksichtigt. Das Bundesnaturschutzgesetz schützt den Wolf, das ist grundsätzlich richtig und nachvollziehbar. Leider beantworten die vorhandenen Gesetze aber nicht ausreichend den Schutz der Weide- und Nutztiere, die Entschädigung und wo Grenzen der Zumutbarkeit erreicht sind. Bevor man den Wolfsschutz durchsetzt, hätte man Antworten für die Folgen haben müssen. Hier erwarte ich von der Bundesregierung, dass dringend nachgebessert wird – und zwar unaufgeregt, ohne ideologischen Scheuklappen und in einem angemessen Interessenausgleich zwischen den Bedürfnissen des Menschen und des Naturschutzes.

  1. Was muss die Politik machen, damit Nutztiere besser geschützt werden?

Stockhoff: Viele Länder machen sehr gute Erfahrungen mit einem aktiven (staatlichen) Wolfsmanagement. Das kann zur Folge haben, dass Wölfe überall dort heimisch werden können und zu tolerieren sind, wo das Ausmaß der wolfsverursachten Schäden und Konflikte mit vertretbarem Aufwand gering gehalten werden kann. Ferner gilt, wenn die Bundespolitik den Schutz von Wölfen forciert, dann muss die Bundesebene auch die vollständigen Kosten zum Schutz der Weide- und Nutztiere tragen und Förderangebote ohne unnötige Bürokratie schaffen. Ferner erwarte ich auch, dass der Bund für Unfallschäden eintritt, die z. B. durch den Wolf aufgescheuchte Weidetierherden entstanden sind.

  1. Kann überhaupt genügend getan werden, dass der Wolf in diesem Bereich keine Angriffsfläche hat, sprich, sollten die Weidetierhalter ihre Tiere nachts einstallen, wie häufig gefordert wird, und wie sieht es mit höheren Zäunen rund um Weiden und kleinen Wiesen aus? 

Stockhoff: Eine 100%-Sicherheit gibt es nicht im Leben. Aber man muss die Schutzmaßnahmen ermöglichen, die mit einem vertretbaren Aufwand umzusetzen wären. Ferner müssen im Schadensfall die Kosten durch den Bund vollständig und unbürokratisch übernommen werden.

  1. Hat bei einer noch größeren Population des Wolfes, also Rudelbildung, der Wolf überhaupt eine Zukunft im Naturpark Hohe Mark?

Stockhoff: Im Vergleich zum Kernruhrgebiet ist der Naturpark Hohe Mark sicherlich eher ländlich geprägt, im Vergleich zu anderen Naturregionen etwa in Brandenburg oder in der Lüneburger Heide doch dicht besiedelt. Ob der Naturpark daher als Lebensraum für Wolfsrudel wirklich geeignet ist, darf meiner Einschätzung nach bezweifelt werden oder sollte zumindest sehr gründlich und ohne Ideologie geprüft werden. In einem bundesweiten Wolfsmanagement wird man in Deutschland vermutlich Regionen identifizieren können, die für den Wolf und für Rudelbildung deutlich geeigneter sein dürften.

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