Ein Teil der Zuhörer bevorzugte die Theke
1live-Reporter Mike Litt las in Schermbeck aus seinem Debutroman
Schermbeck (hs) Angela Stender strahlte. Zu den ersten Beiträgen des Radioreporters Mike Litt gehörte Samstagabend im Ramirez die Erinnerung daran, wie gut ihre Spagetti dem jungen Mann schmeckten, wenn er zu ihrem Sohn Stephan in Schermbeck zu Besuch kam.

Unter den etwa 100 Besuchern von Mike Litts Lesung im Ramirez befanden sich auch einige andere Weggefährten aus dem Dorstener und Schermbecker Raum, wo der heute bekannte „1live“-Reporter vor drei Jahrzehnten seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte. Die Dammerin Gabi wollte einfach mal den Typen kennen lernen, der regelmäßig freitagabends die „Klubbing“-Show bei Radio 1live moderiert. Jörn aus Gahlen wollte schon immer einmal dem Mann gegenübertreten, der sich am späten Montagabend in der „Call in“-Show an die Fußballfans richtet.
Die Erwartungen der Besucher waren groß, zumal Mike Litt im Vorfeld als der Macher der Radio-Show „Der einsamste DJ der Welt“ am Heiligabend angekündigt wurde. Ein mitten im Saal aufgebautes Ton-Studio mit der überdimensionalen Aufschrift des Senders ließ eine lockere Moderation erwarten, wie man sie von dem Moderator seit Jahren kennt. Die ließ auch nicht lange auf sich warten, denn gleich zu Beginn, als Mike Litt die Gäste mit einem stimmungsvollen „Silent night“ begrüßte, glitt auf der Video-Leinwand ein nackter Schwimmer durch einen Pool..
Mehr als diese zweiminütige freie Moderation hatte mit dem Geschäft eines Rundfunkreporters nichts zu tun. Zweistündiges Vorlesen war angesagt: Mike litt stellte sein erstes Buch „Der einsamste DJ der Welt“ vor. Hinter dem Mikrofon von der Ausdehnung einer Handfläche sitzend, las Mike Litt rund zwei Stunden lang aus dem Buch vor. Glücklich konnten die seitwärts sitzenden Zuhörer sein, weil sie am Mikrofon vorbei Mike Litts Minenspiel beobachten konnten, während der Mittvierziger in ausgewählten Buchpassagen sein Leben Revue passieren ließ.
Da Litt nur selten aufschaute, kam kein rechter Blickkontakt zu den Zuhörern zu Stande. Das war so lange kein Problem, wie der Inhalt der Lesepassagen entweder spannend oder so erheiternd war, dass man aufmerksam zuhörte. Zu diesen Bruchstücken seiner Biographie gehörte der Umzug des gebürtigen Amerikaners nach Wulfen, wohin ihn seine Mutter zu seiner Tante und Oma abgegeben hatte, bevor sie auf Nimmerwiedersehen verschwand. Die Erinnerungen an das typische Frühstück mit der schwergewichtigen Oma, deren ungewöhnliche Körperdimensionen durch Lichtbilder zur Erheiterung der Zuhörer beitrugen, blieben nicht die einzigen Passagen, die zum Schmunzeln Anlass gaben. Ob Schilderung der Nikolausfeier im Kindergarten, des sechsjährigen Aufenthaltes in einem Internat der Benediktiner im Oldenburger Land oder der Schulzeit in der Dorstener St. -Ursula-Klosterschule: Mit scharfer Beobachtungsgabe ließ Litt teilweise stark karikierende Bilder von Personen und Vorgängen entstehen, die sein späteres Leben prägten.
Mit der langatmigen Beschreibung der Ferienarbeit im Schermbecker Terrazowerk Stender begann sich Desinteresse im Publikum breit zu machen, und wer einmal zur Theke „geflüchtet“ war, kam so schnell nicht wieder, sodass schließlich ein Drittel aller Zuhörer die Lesung durch lautstarkes Erzählen an der Theke mächtig störte. Sie alle bekamen das Vorlesen von Litts Radiotätigkeiten nicht mehr mit, weder die Kontakte mit Zuhörern am Heiligabend noch die Begegnung mit den Spice girls und die Produktion von Hörspielszenen für einen prominenten Schlagersänger auf Mallorca.
Nach der Premiere in Schermbeck wird Mike Litt noch neunmal in NRW aus seinem 220-seitigen Debutroman vorlesen. Am 22. Dezember endet die NRW-Tournee in Aachen.
Bild: Stephan Stender (l.) und Angela Stender (r.) überreichten Mike Litt (Mitte) eine Steinplatte aus jenem Betrieb, in dem der heutige 1live-Reporter früher als Gymnasiast mehrmals in den Ferien arbeitete. Foto Scheffler



























